/ Wort zum Tag

„Heinrich, der Wagen bricht!“

Gerhard Weinreich über Psalm 147,3.

Bibelvers

Der HERR heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.

Psalm 147,3

„Heinrich, der Wagen bricht!“ „Nein, mein Herr, der Wagen nicht, es ist ein Band von meinem Herzen, das da lag in großen Schmerzen, als Ihr in dem Brunnen saßt, als ein Frosch Ihr wart.“ So endet das Märchen vom Froschkönig. Weil der junge Prinz in einen Frosch verzaubert wurde, meinte sein Diener, das Herz müsse ihm zerbrechen. Deshalb ließ er sich eiserne Bänder um sein Herz schmieden. Doch als der Zauber seine Kraft verlor und der Prinz mit seiner Braut auf sein Schloss fuhr, sprangen die Schutzbänder mit lautem Krachen vom Herzen Heinrichs. Er brauchte sie nicht mehr.

Ein altes Märchen mit einer tiefen Wahrheit: Es gibt Schmerzen, die Herzen zerbrechen können. An gebrochenem Herzen können Menschen sogar sterben! Udo Lindenberg singt: „Ein gebrochenes Herz kann man nicht reparieren.“ Irrtum! Der unbekannte Sänger von Psalm 147 weiß: „Der HERR heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“ Es gibt einen Gott, der Herzspezialist ist. Für zerbrochene Herzen braucht es einen solchen! Da haben Menschen ihre große Liebe verloren – durch Trennung, Scheidung oder Tod. Menschen haben eine riesige Enttäuschung erlebt – durch Intrigen, Mobbing oder Gewalt. Sie haben tiefe Verletzungen davongetragen, Wunden an Seele oder Leib. Oft sieht man das ihnen nicht an. Wer lässt sich schon gerne ins Herz schauen! Viele leiden lieber stumm vor sich hin.

Zerbrochene Herzen müssen zusammengehalten und Wunden verbunden werden, damit sie heilen können! Eiserne Bänder ums Herz gibt es nicht. Aber einen Gott, der das Band seiner Liebe um Menschen legt und sagt: „Ich wohne bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen“ (Jeaja 57,15). Warum tut das Gott? Manfred Siebald sagt: „In Jesus hat er sich um unseretwillen selbst verwunden lassen. Er weiß, wie weh das Leben tun kann, und deshalb legt er seine heilenden Hände auf unsere Wunden.“ So barmherzig ist Gott. Dieses Wort ist im Altdeutschen aus den Worten entstanden: „Beim armen Herzen sein“. Und genau das ist Gott! Er ist den armen Herzen all derer ganz nahe, die das Leben verwundet und verletzt hat.

Als 15-jähriger habe ich das bei meiner Mutter erlebt. Der Tod meines älteren Bruders – er starb auf tragische Weise an seinem 8. Geburtstag durch zugegebenes ärztliches Versagen – hatte ihr das Herz gebrochen. Trost suchte sie an seinem Grab, das sie täglich besuchte, aber sie fand ihn dort nicht. Bis sie selber schwer erkrankte. Als sie nach einem halben Jahr Krankenhausaufenthalt heimkam, sagte sie als Erstes: „Jetzt bin über den Tod meines Jungen hinweg! Ihr wisst, ich hätte ihn am liebsten wieder mit den Händen ausgegraben. Doch ich suche ihn jetzt nicht mehr 1.60 Meter tief unter der Erde. Ich suche ihn ‚oben’, bei Gott!“ Er hatte an ihr die Gewissheit des Sängers von Psalm 147 erfüllt: „Der HERR heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“ Meine Mutter war seelisch geläutert heimgekommen. Natürlich brachen auch bei ihr manchmal schon verheilte Wunden wieder auf, etwa am Geburts- und Todestag meines Bruders. Aber sie fiel nicht mehr in das Loch trostloser Trauer oder hoffnungsloser Verzweiflung.

Diesem Loch kann man entgehen, wenn man mit seinem verwundeten Herzen zu Gott geht, es ihm hinhält und tut, was uns die Bibel rät: „Schütte dein Herz aus vor dem HERRN“ (Klagelieder 2,19). Gott ist der beste Herzspezialist, den es weltweit gibt!


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