/ Wort zum Tag

Gottes Weg

Horst Marquardt über Psalm 25,12

Bibelvers

Wer ist es, der den HERRN fürchtet? Ihm weist er den Weg, den er wählen soll.

Psalm 25,12

Auf Reisen besuche ich gerne alte Kirchen und Dome. Mir fiel auf, dass viele Besucher, sobald sie das Gebäude betreten, nicht mehr mit andern Reiseteilnehmern plaudern, sondern schweigen. Ehrfürchtig lassen sie die Stille auf sich wirken. Fände man doch solche Einstellung nicht nur dort! Wie hilfreich wäre es für viele Menschen, wenn sie nicht nur auf Reisen in ein Haus Gottes treten, sondern auch im Alltag ehrfürchtig Gottes Nähe suchen würden.

Was das bedeutet, habe ich oft in meinem Leben erfahren, besonders lebensentscheidend in jungen Jahren. Nachdem ich zum Glauben an Jesus Christus gefunden hatte, konnte ich meine Arbeit als kommunistischer Journalist in der damaligen sowjetischen Besatzungszone nicht fortführen. Ich suchte neue Arbeitsmöglichkeiten. Es war eine Zeit, in der ich angefangen hatte zu lernen, welche Bedeutung das Gebet hat. Ich bat Gott um Weisung. Dankbar erfuhr ich, dass er mir half, einen Weg zu wählen, der mir eine wunderbare Lebenserfüllung schenkte.

Manche Menschen würden sich freuen über ein ähnliches Erlebnis, aber bei ihnen läuft es ganz anders. Sie haben Zweifel, ob es überhaupt einen Gott gibt. Kopfschüttelnd hören sie, was andere von ihm sagen. Sie schämen sich zuzugeben, wie gerne sie auch ein solches Gotteserlebnis hätten. Wieder andere wissen sehr wohl von Gott. Sie sind sich aber ihrer Verfehlungen bewusst und haben Angst vor Gott. In Psalm 25 werden solche Probleme angesprochen. Es wird z.B. die Frage gestellt: Sollte es Wahrheit wirklich nur bei Gott geben? Vielleicht denken Sie auch, sie seien gar nicht würdig, vor Gott zu treten. Vieles, was nicht ganz korrekt war, haben Sie verdrängt, aber manchmal quält sogar noch das, was man in seiner Jugend versiebt hat. Dann wird gefragt: Sollte mir das wirklich alles vergeben werden können, wie es die christliche Botschaft behauptet?

Bibelleser wissen natürlich etwas mehr. Wenn von „Wahrheit“ die Rede ist, denken Sie an Jesus Christus, der gesagt hat, dass er die Wahrheit ist. Viele haben das infrage gestellt, bis in unsere Tage. Doch wer Jesus Christus vertrauen gelernt hat, der hat keinen Zweifel daran, dass er die Wahrheit ist.

Man darf sich seiner Schwächen und Unvollkommenheit durchaus bewusst sein, wenn man ehrfürchtig vor Gott tritt. Ich möchte allen Mut machen, die vor einer Entscheidung stehen, die für das weitere Leben von ausschlaggebender Bedeutung ist. Das gilt zum Beispiel für Männer und Frauen, die plötzlich eine jahrelang ausgeübte Tätigkeit verlieren, weil ihre Firma oder ihr Betrieb umstrukturiert werden. Dann quält die Frage: Was jetzt tun? Mein Rat – vertrauensvoll Gott bitten: Herr, zeige mir Deinen Weg.

Entdecken Sie mal, wie oft in der 1. Hälfte vom Psalm 25 steht „dein“, „dir“, „dich“, z.B. „Ich hoffe auf dich“ (V.2), „Niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden“ (V. 4). Karl Heinrich von Bogatzky (1690-1774) hat diesen Glauben besungen mit den Worten:“ Ich will mich nicht mehr selber führen, du sollst als Hirte mich regieren“ (aus „O Gottes Sohn, du Licht und Leben“).

Wer ist es, der den HERRN fürchtet? Ihm weist er den Weg, den er wählen soll. (Psalm 25,12)

Heute wird Selbstbestimmung großgeschrieben. Aber wer sein Leben nur selbstbestimmt führt, weiß noch nichts von dem lebendigen Gott. Mit ihm jedoch zu rechnen, das eröffnet neue Perspektiven. Vielleicht muss mancher erst an seine Grenzen stoßen, bevor er ausprobiert, wovon hier gesprochen wird. Ich möchte allen Mut machen, die ahnen oder wissen, dass von ihnen die Rede ist, vor Gott zu treten, ihn anzusprechen und dann damit zu rechnen, dass er helfen wird, die richtige Wahl zu treffen.

Das rufe ich auch allen zu, die am Verzweifeln sind, vielleicht weil alle erzieherischen Bemühungen an Kindern oder Pflegekindern vergeblich zu sein scheinen. Ermuntern möchte ich auch Kranke, die entdecken, wie begrenzt die Möglichkeiten selbst fähigster Ärzte sind. Und ich rufe es Altersgenossen zu, die sich fragen: Wozu lebe ich noch? Wer den Herrn fürchtet, dem wird der Weg gezeigt, den er wählen soll und dann auch gehen kann.


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