/ Wort zum Tag

Gott kommt runter

Günter-Helmrich Lotz über Jesaja 57,15

Bibelvers

Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.

Jesaja 57,15

Der Gott der Christen verhält sich nicht standesgemäß. Er wohnt zwar in der Höhe und im Heiligtum. Aber zugleich ist er sehr herablassend. Er lässt sich herab zu denen, die am Boden liegen. Er wohnt auch bei den Geschlagenen und Gedemütigten. Irgendwie passt das nicht. In der Welt der Religionen ist Gott entweder unendlich weit weg oder allzu kreatürlich.

Der Gott, der in Jesus Christus zu uns gekommen ist, der ist einzigartig. Er ist der Erhabene und gleichzeitig der Ergebene. Er gibt sich herab zu uns. Unser Ergehen ist ihm nicht zu fern und gleichgültig. Im Gegenteil. Die Not von uns Menschen zieht ihn an. Er kommt herunter zu uns. Das hat er durch seinen Sohn Jesus Christus unmissverständlich dokumentiert.

Die damals ausgestoßenen Aussätzigen haben ihn nicht abgestoßen, sondern angezogen. Die hilflosen und störenden Kinder hat er in die Mitte genommen. Frauen, die verrufen waren, hat er ihre Würde zurückgegeben.

Was heißt das für uns heute? Ich weiß nicht wie das zu Ende gehende Jahr für sie war. Welche Höhenflüge ihnen vergönnt waren oder welche Schläge sie einstecken mussten, was sie hinnehmen mussten. Ich weiß nicht, mit welchen Befürchtungen sie dem neuen Jahr entgegensehen.

Aber eines weiß ich. Wir können nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Die Gnade unseres Gottes hat etwas mit dem Wasser gemeinsam. Sie bewegt sich immer zum tiefsten Punkt.

Dort, wo Menschen am Boden zerstört sind, wo sie nicht mehr weiter wissen und sich verlassen fühlen, dort wird Gott präsent sein, sich zeigen. Er will die Gedemütigten und Zerschlagenen erquicken, aufrichten und stärken.

In unserer Stadt haben wir eine christliche Zeitung in den Haushalten verteilt. Ein Mitarbeiter wurde mit der Zeitung in der Hand auf der Straße darauf von einer Frau direkt angesprochen. Sie erzählte: Die hat mich gerettet. Ich war völlig verzweifelt als ich die Zeitung aus dem Briefkasten nahm. Ich begann zu lesen, wie Jesus Menschen auch heute noch helfen kann. Das hat mit Mut gemacht. Ich entdeckte in der Zeitung auch das empfohlene Gebet und habe es für mich gebetet.

Diese Frau hat erfahren, dass Gott ihr in ihrer Verzweiflung ganz nah war, was sie vorher niemals geahnt hätte.

Gott hat viele Wege, wie er aus seiner Höhe in die Tiefen menschlicher Nöte kommt. Nicht zuletzt benutzt er dazu andere Menschen oder Medien, um sie persönlich anzusprechen. Somit können wir mit einer zweifachen Perspektive dem neuen Jahr entgegen gehen.

Zunächst einmal: Ganz gleich, was auch geschehen mag, was uns niederdrückt oder erschüttert. Gott ist nie weiter als ein Gebet entfernt. Je größer unser Tief sein mag, umso eher wird er aus der Höhe zu uns kommen und uns mit seiner Nähe umfangen.

Und zum zweiten sollten wir wachsam und bereit sein, um die Gelegenheiten zu erkennen, wo Gott durch uns anderen Menschen seine Nähe und Hilfe erfahren lassen will. Eine Nachfrage, ein Telefonat oder ein Besuch kann Wunder wirken. Dann bekommen wir vielleicht zu hören: Du bist ein Engel, dass du gekommen bist.


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