/ Wort zum Tag

Der Tag danach

Manfred Bletgen über Johannes 3,19

Bibelvers

Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist.

Johannes 3,19

Der Tag nach dem Unwetter mit dem Starkregen. Der Tag nach der OP. Der Tag nach dem Abi, nach dem Jahresabschluss. Wie viele Menschen haben auf solche Tage hingelebt. Kein Druck, keine Ängste, keine Bilanzen, Hochrechnungen, Ergebnissicherungen, alles richtig gemacht. Durchatmen. 2. Weihnachtsfeiertag.

Dieser Druck der Endabschlüsse und Ergebnissicherungen, gibt es in der Glaubensgestaltung von Christen auch. Die Angst: Hab ich auch alles recht gemacht? Und irgendwo im Hinterkopf winkt die kleine üble Fahne: Das Gericht kommt.

Unser Bibelwort vermittelt uns eine andere Botschaft aus dem Nachtgespräch von zwei sehr unterschiedlichen Männern: Nikodemus, Theologe, ein Oberster der Juden und Jeschua = Jesus, Zimmermann und Wanderbibelschullehrer aus Nazareth. Sie diskutieren die gleiche Frage, die auch Martin Luther umtrieb: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“

Die Antwort Jesu ist verblüffend: Das ist doch vorbei. Es ist der Tag danach. „Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist.“

Weihnachten war schon. Uns ist ein Kind geboren. Gott wurde Mensch. Das Wort wurde Fleisch. Das Licht leuchtet. Keiner muss sich mehr vor Gott selbst rechtfertigen.

Das wir vor Gott richtig, mit Gott versöhnt sind, nicht, weil wir clever, cool, tüchtig, schlau, arbeitsam waren, sondern weil wir von Gott geliebt sind.

„Er hielt nicht an seiner Göttlichkeit wie an einem Raub fest, sondern entäußerte sich, nahm Knechtgestalt an, wurde Mensch.“ Schreibt der Apostel Paulus später in einem Brief.

In dem Gott diese Grenze überschritt, hob er auch alle anderen Grenzen auf. Die zwischen Juden und Heiden, zwischen Aussätzigen und Reinen, zwischen schwarz und weiß. Wir alle leben aus der selben Liebe und Barmherzigkeit Gottes.

Die Hirten, damals auf den Feldern von Bethlehem hatten es kapiert. Sie waren einfach losgerannt. Sie hatten das Licht gesehen. Sie waren in diesem Ein-Sterne-Stall-Hotel am Rande der Stadt gelandet. Sie drängten sich rein auf die Einladung von Joseph hin. Sie standen vor dem Futtertrog, in dem das Baby lag. Zwischen Heuresten und Spinnengewebe.

Von hinten rief einer: „Wie sieht Gott denn aus?“ „Wie wir!“ Rief ein anderer von vorne zurück und strahlte über das ganze Gesicht.

Wahrer Gott und wahrer Mensch. Gott kommt kleiner als wir denken. In der Stadt war es still. Keine Fahnen, keine Polizeiabsperrung, kein Staatsempfang. Keine Scharfschützen auf den Dächern, keine Nationalhymne, was hätten sie denn spielen sollen? Kein Personenschutz. Ein Stall mit einer offenen Tür, zu dem die kleinen Leute, die Hirten, Zugang hatten. Als die großen Leute, die Weisen aus dem Morgenland, die dem Licht des Sterns gefolgt waren, von ihren Kamelen gestiegen waren, konnten sie sich in der Stalltüre bücken.

So kommt Gott. Wir können zu Gott Vater sagen, weil er der Vater dieses Kindes ist.
Und Gott sagt: Geschenkt, umsonst, für dich gegeben.
Jesus selber: Ich bin das Licht, nimm es nicht nur zur Kenntnis, vertraue mir.
Nimm hin und iss, für dich gegeben. Der Tag danach. Nach Weihnachten. Seine Gnade bleibt.
Zum Schluss das Gebet eines alten Kirchenvaters, von Angelus Silesius:
Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still. Er betet an und er ermisst, dass Gottes Lieb ohn Ende ist.
Amen


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