/ Wort zum Tag

Heimat

Jürgen Werth Über 1. Thessalonicher 4,17–18

Was ist eigentlich Heimat? Eine Wohnung? Ein Haus? Ein Kiez? Eine Stadt? Sind es Menschen? Oder ist es eine Zeit? Wohl von allem ein bisschen. Vor allem ist Heimat wohl immer ein bisschen Erinnerung. Und damit eine Zeit, in der ich mich auskenne und in der nichts Unerwartetes mehr geschieht. Die mich nicht mehr ängsten kann, weil sie Geschichte ist. Eine Zeit und ein Lebensraum. Vielleicht ist es die Kindheit in mir. In uns allen. Also eine bestimmte Zeit bei bestimmten Menschen an einem bestimmten Ort..

Aber Heimat ist auch jetzt. Und hier. Menschen sind und bleiben Heimat. Wenn es heute auch zum größten Teil andere sind als es damals waren. Menschen - es gab und es gibt sie. Sie leben verstreut, sie leben mit mir, und sie leben in mir.  Verlässliche Gefährten auf den Stolperpfaden des Lebens.

Menschen sind Heimat. Menschen und ihre Sprache. Unsere Sprache. Unsere Mutter-Sprache. Unsere Herzenssprache. Unser Dialekt. Unser Jargon. Unsere  „Insider“, die Witze und Wortspiele, die nur wir verstehen.

Christian Morgenstern fasst das zu zusammen:

"Man ist nicht da zuhause, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern da, wo man verstanden wird.“

Heimat. Heimatzeit. Heimatmenschen. Heimatsprache. Es gehört wohl zusammen. Und ist am Ende vielleicht ein besonders deutsches Thema.

Thea Dorn und Richard Wagner jedenfalls behaupten in ihrem wunderbaren Buch „Die deutsche Seele“, Heimat wäre ein besonders deutsches und gleichzeitig eines der schönsten deutschen Wörter. Und sie bieten eine treffliche Deutung:

„Die Heimat beruft sich auf die Kindheit, und ohne die Herkunft kommt sie nicht aus … Heimat ist Ort und Zeit in einem, sie ist angehaltene Vergänglichkeit.“

Nun behaupten Christen zuweilen keck: "Meine Heimat ist im Himmel." Sie behaupten das, weil Paulus es behauptet hat, der heimatlos vagabundierende Völkerapostel. In seinem Brief an die Philipper steht das, in Kapitel 3. Und den Christen in Thessalonich empfiehlt er gar:

„Wir werden beim Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.“

Aber kann das denn sein? Kann die Zukunft Heimat sein? Hat denn der Himmel einen Ort? Hat er eine Zeit? Eine Sprache, die unsere Sprache ist? Und: Kann man zuhause sein, wo man nie war?

Man kann. Weil wir Menschen da her kommen. Aus den liebevollen Gedanken eines guten Gottes. Und weil wir dorthin unterwegs sind. Die Zeit, die uns auf dieser Welt geschenkt wird, ist nicht genug. Sie ist nicht alles. Sie ist eingebettet in Gottes Ewigkeit. Gott ist unsere Vergangenheit und unsere Zukunft. Und er ist unsere Gegenwart. Er ist da. Ganz nah. Weil Christus unser Leben und unsere Zeit teilt. Durch ihn ist unsere Heimat mit uns unterwegs in den Heimatlosigkeiten unseres Lebens.

Der Himmel ist eine Wohnung. Ein Haus. Eine Stadt. Und er ist ewige Gemeinschaft miteinander und mit ihm. Und er ist mehr als Zeit. Er ist Ewigkeit.

Welch wohliger Gedanke: Was auch kommt, wohin’s uns auch verschlägt - diese Heimat bleibt. Um uns und in uns. Für immer. Menschen, die mit Jesus unterwegs sind, wissen darum: Egal, wann sie sterben, wie und wo - es geht nach Hause. Es geht in die Heimat. Was für ein Trost! Ein Trost, den man teilen kann, teilen sollte.

(Nach dem Buch „Jürgen Werth, Doch Gott sieht das Herz“, Gerth Medien 2017)


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