/ Wort zum Tag

Eine Schlüsselszene aus dem Leben Jesu

Bibelvers

Jesus rief laut am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Markus 15,34

Filme haben Schlüsselszenen. Die darf man auf keinen Fall verpassen. Manches Geplänkel tut nichts zur Sache, da kann man sich noch schnell ein Eis aus dem Gefrierschank holen. Aber dann kommen diese entscheidenden Sätze, ohne die der ganze Film keinen Sinn macht. Wenn das Verbrechen durch einen Nebensatz aufgeklärt wird. Oder wenn endlich klar wird, ob sich zwei Menschen trennen oder zusammen bleiben. Es kommen Szenen, da muss man wach sein. Die verlangen unsere volle Aufmerksamkeit.

Der heutige Bibeltext ist eine Schlüsselszene. Eine Schlüsselszene nicht in einem Film, sondern im Leben von Jesus Christus. Mehr noch. Es ist eine Schlüsselszene der Menschheitsgeschichte.

Stellen Sie sich das einmal vor. Jesus Christus, der Sohn Gottes. Er war ohne Sünde. Er war die Liebe Gottes in Person. Er begeisterte Menschen. Er stellte ihre Welt auf den Kopf. Jesus, sagte: „Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes 10,30). Er sagte: „Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater, und niemand kennt den Vater als nur der Sohn….“ (Mat. 11,27).

Dieser Jesus wird von seinen Mitmenschen gehasst und bedroht, von den Römern gefangen genommen, er wird in einem lächerlichen Verfahren verurteilt und von den Soldaten gekreuzigt. Jesus hängt an diesem Kreuz. Der sündlose Gottessohn für die Sünden der Welt. Alles Leid liegt in diesem Moment auf ihm. Die Schuld der Menschheit lastet auf ihm. Auf ihm, in dem Gott selbst ist.

Und dann schreit er dieses Wort in die Finsternis: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Jesus von Gott verlassen? Geht das? Passt das zusammen? Ist das logisch? Es zeigt, dass Jesus sich selbst in hundertprozentiger Solidarität mit den Menschen in den letzten Kampf begibt, der aussteht. Und er erleidet das, was jeden Menschen quält: von Gott verlassen zu sein. 

Jesus tat dies, damit KEIN Mensch mehr in der Gottverlassenheit bleiben muss, in die er von Kindesbeinen an hineingeworfen ist. Keiner, der diese kurze Andacht hört, muss fern von Gott bleiben. Die Gottesferne ist von Jesus getragen worden. „Warum hast du mich verlassen?“ schreit Jesus, damit jeder Mensch auf der ganze Erde antworten kann: „Damit ich Frieden habe mit Gott!“ – Deswegen!

Kühle Köpfe mögen einwenden, dass Jesus sich das hätte selbst beantworten können. Aber wer so redet hat nicht bedacht, dass Jesus nicht mit kühlem Kopf, sondern mit brennendem Herzen am Kreuz hing. Und der hat nicht bedacht, dass Jesus kein distanziertes Gedankenspiel treibt, sondern sich selbst ganz hingibt und diese Gottverlassenheit wirklich erlebt hat.

Das ist der Blick in tiefste Abgründe. Jesus erlebt Gott abwesend. Damit ich ihn immer als anwesend erfahren kann. Es gibt kaum einen Satz, der so kurz ist, und in dem zugleich so viel verborgen liegt.

Ohne diese Gottverlassenheit, die Jesus erleidet, wäre sein Leben immer noch großartig gewesen. Die Umstände seiner Geburt, die Bergpredigt, seine Wunder, seine Worte, all das wäre immer noch bedenkenswert gewesen. Keine Frage.

Aber Jesu Tod und seine Bereitschaft, die Gottesferne zu erleiden, das macht aus Sündern versöhnte Menschen. Das macht uns zu Leuten, die seine Worte erst richtig hören können. Das macht aus Verlorenen Gerettete. Das bringt uns aus der Finsternis ins Licht, wie es später der Apostel Paulus sagt (Epheser 2).

Deswegen: verpassen wir diese Schlüsselszene aus dem Leben Jesu nicht. An ihr entscheidet sich alles andere. Wehe dem, der in diesem Moment achtlos vorbeigeht, der den Kopf schüttelt, der sagt: Hilf dir selbst! Wehe dem, für den Jesus nichts mehr ist als ein interessanter Prediger oder besonderer Mensch.

Und wohl dem, der in Jesus den erkennt, der die Sünde der Welt trägt. Wohl dem, der sein Leben  ihm anvertraut. Es ist die Schlüsselszene der Menschheitsgeschichte. Und es  könnte die Schlüsselszene Ihres Lebens werden, durch die ihr ganzes Leben eine Wendung erhält.

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