/ Wort zum Tag

Gedanken zur Tageslosung

Friedhelm Geiß über Lukas 8,48

Bibelvers

Jesus sprach zu der kranken Frau: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!

Lukas 8,48

Von Arzt zu Arzt war sie unterwegs. Immer wieder peinlichen Fragen und Untersuchungen ausgeliefert. Ein Vermögen hatte sie dafür ausgegeben müssen. Aber geholfen hat alles nichts. Nach wie vor litt sie an ihrer Krankheit, die niemand heilen konnte. Unstillbare Blutungen zehrten ihren Körper schon zwölf Jahre aus. Und niemand fand die Ursache. Schlimmer für sie aber war, dass sie durch ihre Krankheit nicht nur selbst immer schwächer wurde, sondern ausgestoßen, abseits gestellt war in der Gesellschaft, Nachbarschaft und sogar in der Familie. Als „unrein“ bezeichnet zu werden ist ein Urteil zur Einsamkeit und zur Isolation. Wer die Frau auch nur anrührte, galt selbst als unrein.

Eine Situation, die so oder in ähnlicher Weise bis heute vorkommen kann, trotz modernster Technik, wissenschaftlichen Erkenntnissen, medizinischen Möglichkeiten. Es gibt auch heute Krankheitssymptome, deren Ursachen nur schwer diagnostiziert werden können. Und die Ausschlussverfahren, Therapien und Nebenwirkungen von Medikamenten bilden oft einen elenden Weg der Enttäuschung. In solcher verzweifelten Lage hörte die Frau von Jesus. Sie hörte, wie Naturgewalten ihm gehorchen mussten, wie er Kranke heilte, wie er Menschen in ihrer Bedürftigkeit annahm und leise keimte in ihr wieder etwas Hoffnung. „Ach könnte ich doch ihm begegnen. Könnte ich doch nur den Saum seiner Kleider berühren. Ich traue ihm zu, mich zu heilen.“ Und so drängte sie sich hinein in die Menge der Leute, die Jesus mit ihren Fragen und Anliegen umlagerten. Plötzlich hörte sie, wie Jesus gebeten wurde, zu einem todkranken 12-jährigen Mädchen eines angesehenen Bürgers zu kommen. Sie fühlte, dass Jesus die Macht hatte, sie zu heilen. Wenn er sich um ein 12-jähriges Mädchen kümmert, dann ist ihm auch eine 12-jährige Krankheit nicht zu viel.

Und so bahnte sie sich ihren Weg durch die Menge bis zu ihm. Sie beugte sich nieder und "rührte die Quaste seines Kleides an", den Saum oder die Fransen, die den unteren Abschluss eines jüdischen Gewandes bildeten. "Sogleich hörte ihr Blutfluss auf", und sie war vollständig geheilt. Sie versuchte, sich still wegzustehlen, doch ihre Flucht wurde von der Frage Jesu gestoppt: "Wer ist es, der mich angerührt hat?" Petrus und die anderen Jünger dachten, dass dies eine recht müßige Frage sei, da alle Menschen ihn drängten, schoben und drückten! Jesus aber hatte eine besondere Berührung bemerkt. Er wusste, dass ihn jemand im Glauben angerührt hatte, weil er spürte, dass Kraft von ihm ausgegangen war - die Kraft, die die Frau geheilt hatte. Zitternd stand die Frau vor ihm und erzählte stockend und jubelnd zugleich, was mit ihr geschehen war. Und Jesus sprach zu der kranken Frau: „Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!“  Was für ein Wort und was für ein Ereignis. Ja, Jesus kann heilen. Jesus ist Herr auch über Krankheit und Leid. Gleichzeitig aber stehen vor meinen inneren Augen liebe Menschen, die seit Jahren leiden und beten und sehnlich auf Hilfe hoffen. Und sie vertrauen auch. Sie glauben auch, dass Jesus kann. Aber sie werden nicht geheilt oder die bedrängende Situation löst sich nicht. Warum? Warum werden manche gesund und manche nicht? Ich weiß es auch nicht. Eines aber weiß ich gewiss. Jeder, der seine Zuflucht bei Jesus sucht, trotz allem und in allem, darf erfahren, dass Jesus nicht vorbeigeht. Auch wenn ich nichts fühle, aber er fühlt mit mir. Jesus kann einen Menschen heilen, selbst wenn er krank bleibt. Der Friede Gottes ist mehr als ein gesunder Körper. Der Friede Gottes ist eine übernatürliche Kraft, Situationen, Leid und Krankheiten zu tragen. Und deshalb will ich das Wort Jesu auch für mich neu hören: „Geh hin in Frieden!“


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