/ Wort zum Tag

Ich bin das Licht, sagt Jesus

Wolfgang Schulze über Johannes 8,12

Bibelvers

Jesus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Johannes 8,12

Auf dem Laubhüttenfest in Israel wurden zur Zeit Jesu im Tempelvorhof der Frauen mehrere Armleuchter aufgestellt und bei Eintritt der Dunkelheit angezündet. Der Schein dieser Leuchter erstrahlte bei Nacht über die ganze Stadt Jerusalem. Das war wohl der Anlass dafür, dass Jesus plötzlich ausrief:

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12)

Das ist eins von verschiedenen „Ich bin-Worten“, mit denen Jesus in Bildern seine Bedeutung für die Menschen beschrieb. Damit hat er  nicht etwas, sondern sich selbst angeboten. Wie Brot des Lebens, wie der Weg, die Wahrheit, die Tür, der gute Hirte ist Jesus für die Menschen lebenswichtig. Und so auch als das Licht der Welt. 

Aus der Biologie weiß ich, wie wichtig Sonnenlicht für das Wachstum von Pflanzen und ihr Erblühen ist. Ich spüre ja manchmal an mir selbst, wie helle Sonnentage oder trübe Regentage meine Stimmung beeinflussen können. Licht ist Leben. Und genau das will Jesus für die Menschen in aller Welt sein. In den Ohren jüdischer Menschen klang damals der Anspruch, den Jesus damit stellte, ungeheuerlich. Für sie war der Begriff „Licht“ nicht unbesetzt.

Mehrfach wurde im Alten Testament der Messias als „Licht der Nationen“ angekündigt. Aber nicht nur das. Das Wort „Licht“ wurde sogar auch auf Gott selbst angewendet. „Der Herr ist mein Licht“ heißt es etwa in Psalm 27,1. Oder: „Der Herr wird dein ewiges Licht sein“, schrieb der Prophet Jesaja (60,19), um nur einige Beispiele zu nennen.

Und jetzt erklärt sich dieser einfache Mann aus Nazareth in Galiläa als Licht der Welt? Und er verspricht, dass jeder, der ihm folgt, in ihm das Licht des Lebens, ja, das Leben selbst, haben wird? Er muss nicht mehr in der Dunkelheit leben. Welch eine Anmaßung. Aber die Einladung von Jesus zur Nachfolge und damit zum Leben steht seitdem und gilt für jeden Menschen auf dieser Erde. Ich bin einer von ihnen und folge nun schon etliche Jahre diesem Herrn. So höre ich diese, mir sehr vertraute Aussage als eine starke Bestätigung. Ich darf in diesem Licht leben und habe in Jesus für immer das wahre Leben in der Gemeinschaft mit Gott.

Wenn Jesus von sich sagt, ich bin  d a s  Licht, dann liegt darin aber auch ein exklusiver Anspruch. Dann heißt das: Er ist nicht ein Licht von vielen anderen, sondern das einzig wahre Licht, das den Menschen Leben bringt. Aber hatte Jesus nicht auch zu seinen Nachfolgern gesagt: „Ihr seid das Licht der Welt!“ (Mt 5,14). Ist Jesus dieses Licht doch nicht so ganz ausschließlich? Doch! Seine Jünger sind es in nur in der Verbindung mit ihm. Sie reflektieren sein Licht und verbreiten seinen Schein in dieser Welt. So erreicht seine Einladung zum Leben auch heute noch andere Menschen. Das ist sein Konzept für die Mission. Als Menschen, die von Jesus angesteckt sind, sollen wir andere anstecken. Jesus gab uns diese Zusage auch nicht in Befehlsform. Ich muss mir daher nicht so viele Gedanken machen, wie ich wohl für andere eine Leuchte bin. Wenn ich nur in seinem Licht lebe, werde ich es reflektieren, sodass auch andere in sein Licht kommen können.


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