/ Wort zum Tag

Richtiger Machtgebrauch

Bibelvers

Alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Philipper 2,11

„Wie viel Macht haben Sie?“ – Meine spontane Reaktion: „Gar keine“. Ich bin kein Chef, der Untergebene hat. Ich habe über keine größeren Geldsummen zu verfügen und erst recht keinen Posten in der Politik. „Sind Sie machtlos?“ – „Na, ja, das nun auch nicht!“ „Also haben Sie ja doch Macht?“ – Na, ja, vielleicht schon.

Meine Tochter ist neun Jahre – also ein Alter, in dem man schon noch als Vater gewisse Dinge vorgeben kann. Ja, eine Form von Macht. Ich arbeite in unserer christlichen Gemeinde im Vorstand mit. Auch eine Form von Macht. Und in Gemeinde- oder Vereinsvorständen geht es meist mehr um Macht, als man sich selber eingesteht. Und auf der Arbeit kann ich als Lektor Entscheidungen über eingereichte Manuskripte treffen. Das alles ist Macht. Wie viel Macht haben Sie? In Ihrer Familie? In Ihrem Verein, in dem Sie sich engagieren? In Ihrem Beruf? Wie gehen Sie damit um?

Das absolute Vorbild für den richtigen Gebrauch von Macht war Jesus. Er ist der „Herr“. Das war das erste christliche Bekenntnis. Der „Herr“, griechisch: „Der Kyrios“. Der Kyrios war damals der Weltherrscher. Prototyp: Augustus. Erster römischer Kaiser. Er beendete die Bürgerkriege und Zwistigkeiten, wurde zum Friedensgaranten, zum Hüter der Welt. Zum Weltherrscher. Aktueller Kyrios, als der Apostel Paulus lebte und diese Zeilen schrieb: Nero. Auch römischer Kaiser. Und absoluter Machthaber!

Und jetzt kommt dieser Paulus und schreibt: „Alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus der Kyrios ist.“ Jesus ist der Weltherrscher, den die ganze Welt anerkennen soll und wird. Der, der alle Macht hat! Ein Humor, über den Nero nicht lachen konnte. Nein – kein Humor. Paulus meinte das ernst. Und diese Verse sind der Abschluss eines Liedes, das Paulus in seinen Brief einbaut:

„Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“

Dieser Jesus, der sich erniedrigte. Der sich verspotten und schlagen ließ. Der sich ohnmächtig an das Kreuz schlagen ließ, dieser Jesus ist der „Kyrios“, der Weltherrscher. Dem legt Gott die Welt zu Füßen und alle Welt soll und wird das anerkennen. Und wer zu Jesus gehört, der soll sich ihn zum Vorbild nehmen. Soll seine Macht so gebrauchen, wie Jesus sie gebraucht hat. Nicht Weltherrscher sondern Weltdiener.

Was bedeutet das? In jedem Fall: Ich muss selbst erst einmal meine Knie beugen. Die Herrschaft dieses Kyrios anerkennen. Dieser Weltendiener ist der Herr, dem ich mich gerne unterordne! Wenn ich vor diesem Herrn knie, dann kann ich auch vor Menschen gerade stehen und Standpunkt beziehen. Als Lektor muss ich manchmal Manuskripte ablehnen, weil der Inhalt nicht überzeugt. Auch von prominenten Autoren. Wer vor Jesus kniet, kann vor Menschen stehen.

Und dann heißt es, seine eigene Macht so zu gebrauchen, wie Jesus seine Macht gebraucht hat. Es heißt, anderen mit meiner Macht zu dienen. Zum Beispiel die Macht, die ich als Vater über meine Tochter habe, nicht dazu missbrauchen, sie in die Bahnen zu lenken, die ich gerne möchte oder sie möglichst lange abhängig zu halten oder jede Diskussion zu unterbinden, damit ich es bequem habe. Ich möchte ihr mit dem Einfluss, den ich (noch) auf sie habe, dienen und ihr Sicherheit, aber auch den Freiraum verschaffen, dass sie sich selbst entfalten kann und zu der Frau werden kann, die Gott aus ihr machen möchte. Nicht die, die ich möchte. Dienen – nicht herrschen. Obwohl herrschen viel bequemer wäre.

„Alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist – der Kyrios. Zur Ehre Gottes, des Vaters.“

So wie Jesus möchte ich auch mit dem bisschen Macht, dass ich habe, dienen und nicht herrschen.

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