/ Wort zum Tag

Ernsthaftes Beten

Alexander Nussbaumer über Prediger 5,1

Bibelvers

Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein.

Prediger 5,1

Meine erste Assoziation nach dem Hören der heuti-gen Tageslosung war das Wort Jesu: „Leiere nicht gedankenlos Gebete herunter wie Leute, die Gott nicht kennen. Sie meinen, sie würden bei Gott etwas erreichen, wenn sie nur viele Worte machen.“ (Matthäus 6,7)

Vor Gott nicht einfach drauflos zu plaudern ist eine Form des Respektes. Wenn Sie ein Gespräch führen dürfen mit einer hochgestellten Persönlichkeit, dann werden Sie Ihre Worte sorgfältig wählen und die Zeit gut ausschöpfen, die Ihnen zur Verfügung steht.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite erzählt Jesus ja auch das Gleichnis von der hartnäckigen Witwe. Diese bestürmt einen Richter so lange, bis er schließlich nachgibt und ihr Recht verschafft. So dürfen wir auch mit unseren Bitten vor Gott ausharren.

Was also ist das – in Anführungs- und Schlussstrichen – „richtige“ Beten?

Dazu ein zwei Kriterien:

  1. Was wir vor Gott bringen, muss mit seinem Willen übereinstimmen. Es geht also zuerst einmal da-rum, seinen Willen zu kennen, so weit wie das uns möglich ist. Durch das Lesen der Bibel erfahren wir, was Gott früher als seinen Willen kundgetan hat. Das nehmen wir in unser Leben hinein,
  2. Beten ist nicht eine punktuelle Sache, etwa für Notlagen. Beten ist eine Haltung, etwas Perma-nentes, das sich täglich in konkreten Gebetszeiten ausdrückt. Paulus rät: „Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft in jeder Lage zu Gott beten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm!  (Phi-lipper 4,6)

Michel Quoist lebte von 1918 bis 1997. Er war französischer Priester und Autor. Er schrieb viele sehr eindrückliche Gebete. Er unterschied zwischen „prières en s’arrêtant“ und „prières en marchant“, zwi-schen Gebeten beim Anhalten und Gebeten bei Marschieren. Gemeint sind Gebete in einer abgesonderten Stillen Zeit und Gebete unterwegs, tagsüber.

Wie gesagt, beim Beten geht es nicht um die Zahl der Worte. Er geht darum, sich ins Herz Gottes einzufinden, seinen Willen zu suchen und ihn anzubeten.

Ich schließe mit einem Gebet von Michel Quoist. Es knüpft an eine alltägliche Beobachtung an und leitet daraus ein Bekenntnis ab, sich in den Willen Gottes einzufinden:

Der Maurer legte den Ziegelstein auf das Zementbett, warf ihm mit einem sicheren Schwung seiner Kelle eine Decke über, und ohne ihn weiter zu fragen, legte er einen neuen Ziegelstein darauf. Zusehends wuchsen die Grundmauern empor. Das Haus sollte hoch und fest werden, um Menschen Schutz zu bieten.

Herr, ich habe an diesen armen Ziegelstein gedacht, der begraben liegt im Dunkel am Fuß des großen Baues. Niemand sieht ihn; er aber tut seine Arbeit, und die anderen brauchen ihn.

Herr, was macht es aus, ob ich am First des Hauses bin oder in den Grundmauern, wenn ich nur treu bin, dort an meinem Platz in Deinem Bauwerk.


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