/ Wort zum Tag

Ein Gebet wie ein offener Brief

Eckhard Schaefer über Johannes 17,15

Bibelvers

Jesus betet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.

Johannes 17,15

Der Bibelvers ist ein Gebet. Ein Ausschnitt aus einem Gebet Jesu. Er betet kurz bevor sein Leben sich hier auf der Erde am Kreuz vollendet. Seine Jünger hat er darauf vorbereitet, dass er sich bald von ihnen verabschieden wird. In dieser Situation tut er nicht das, was man vermuten könnte und manche Menschen in solch einer Situation auch machen. Jesus entwirft kein Programm wie es ohne ihn weitergehen soll. Seine Herzensanliegen macht er zu Gebetsanliegen.

Jesus betet öffentlich. Die Jünger dürfen zuhören. Das ist kein Zufall. Jesu Gebet ist wie ein offener Brief. Adressat ist sein Vater im Himmel. Aber seine Jünger damals und auch wir heute sollen wissen, was auch uns betrifft. Das erfahren wir im Johannesevangelium. Jesus betet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. (Johannes 17,15)

Ob diese Bitte den Vorstellungen und Wünschen der Jünger entsprach? Sie ahnten, was sie in dieser Welt erwartet. Schließlich hatten sie in den zurückliegenden drei Jahren genügend Anschauungsunterricht, was es als Nachfolger an der Seite Jesu bedeutet, in dieser Welt zu leben. Ihr Platz sollte dort sein, wo die Wahrheit mit Füßen getreten wird, wo Verrat, Folter, Gewalt und Hass zur Tagesordnung gehören. Als Paulus einmal in Untersuchungshaft saß und mit seiner Hinrichtung rechnen musste, beschäftigte ihn unser Thema. Er schrieb an die Philipper: „Am liebsten würde ich dieses Leben hinter mir lassen und bei Christus sein.“(Phil.1,23) Dann wäre er am Ziel aller Wünsche. Er weiß aber, dass es noch viele unerledigte nutzbringende Aufgaben  für ihn gibt.(Phil 1,24ff)

Das gilt für uns genauso wie für die erste Generation der Jesusnachfolger. „Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt“(Joh 17,18) lautet die Dienstanweisung Jesu.

Jesus hat seine Arbeit getan und vollendet. Er kehrt zurück zu seinem himmlischen Vater. Hier auf Erden hat Jesus jetzt seine Leute, die seine Aufgabe fortsetzen. Was für eine Würde und was für eine Herausforderung? Deshalb bittet Jesus den Vater, seine Jünger nicht aus der Welt zu nehmen, sie aber in der Welt vor dem Bösen zu bewahren. Wir sind in der Welt, aber nicht von der Welt.(Joh 17,16) Wir haben eine doppelte Staatsbürgerschaft. Als Bürger des Reiches Gottes leben und verkündigen wir Werte, die oft im Gegensatz zu dem stehen, was in der Welt um uns praktiziert wird.

Das führt zu Auseinandersetzungen, die an vielen Orten auf dem Globus Jesusnachfolger mit dem Leben bezahlen. Wir stehen aber unter himmlischem Schutz, wenn wir als Botschafter Jesu unsere Sendung leben. Deshalb beten wir:

Vater im Himmel, sende mich. Bewahre mich vor dem Bösen. Denn dein ist das Reich, das will ich bauen. Dein ist die Kraft, der will ich vertrauen. Und dein ist die Herrlichkeit, die will ich schauen. Amen.


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