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Wenn der Hahn kräht ...

Bibelvers

Der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

Lukas 22,61–62

Zu Beginn eine Frage zum Leben auf dem Bauernhof: Wissen Sie, warum der Hahn kräht? Vielleicht, damit die Urlauber aus der Stadt den schönsten Teil des Tages nicht verschlafen? Um den Hühnern zu imponieren? Oder weil er keine Eier legen kann und ihn das Gackern der Hühner nervt?

Ich habe im Internet keine eindeutige Antwort auf diese Frage gefunden. Offenbar hat der Hahn eine Art innere Uhr. Er kräht nämlich erstmals etwa zwei Stunden vor Sonnenaufgang. Das hat sich seit Jesu Zeiten nicht verändert. Schon damals krähte der Hahn offenbar früh am Morgen.

In Lukas 22,61-62 steht, was dieser Hahnenschrei bei Petrus ausgelöst hat: Der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. 

Bestimmt ist Ihnen diese Geschichte bekannt. Nach der Verhaftung Jesu streitet Petrus dreimal ab, Jesu zu kennen. Gerade so, wie das Jesus angekündigt hatte. Man könnte sagen: Grosse Klappe, kleine Taten. Auf so einen Freund würden wohl die meisten von uns gerne verzichten. Aber – das soll zu seiner Ehrenrettung gesagt werden – Petrus blieb immerhin in Jesu Sichtweite.

Hätte ich anders als Petrus gehandelt? Ich zweifle daran. Das zeigt etwa an der Feststellung Jesu in Matthäus 25,40: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Eigentlich möchte ich da ja nicht zurückstehen und zupacken. Doch mit der Umsetzung hapert es oft. Auch ich verspreche Gott oft mehr, als ich halten kann. Ich halte nicht immer Wort. Ich bin nicht besser als Petrus. Auch mir müsste ein Hahnenschrei hie und da mahnend durch Mark und Bein gehen. Doch: Ich schlafe. Oder überhöre ihn geflissentlich.

Warum kräht der Hahn? Petrus würde diese Frage nach seinem Erlebnis wohl anders beantworten als ein Biologe und sagen: „Der Hahnenschrei mahnt mich an die Verbindung, die Jesus zu mir hat. Und er erinnert mich an mein Versagen. Aber gleichzeitig erinnert mich der Hahnenschrei daran, dass Jesus mich trotz allem liebevoll angesehen hat.“

Dank dieser Liebe wird Petrus trotz allem eine wichtige Stütze der frühen christlichen Gemeinde. Der Hahnenschrei war für ihn Weckruf und Mahnmal;. Gleichzeitig stand er aber dafür, dass Jesus seine Menschen selbst in einem solchen Augenblick nicht fallen lässt. Seine Gnade ist stärker.

Daran will ich denken. Dann, wenn ich bequem und selbstzufrieden bin. Aber auch dann, wenn ich ob meines eigenen Versagens gegenüber Gott eigentlich bitterlich weinen müsste. Jeder Hahn, der kräht, erinnert mich an mein Versagen – und an die Liebe Jesu. Das gilt auch für die Wetterhähne auf manchen Kirchtürmen. Und nicht selten weiss ich sehr genau, warum der Hahn kräht.

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