/ Wort zum Tag

Wer ist heute mein Nächster?

Bernd Densky über 3. Mose 19,13.

Bibelvers

Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken.

3. Mose 19,13

Jesus wird einmal von einem Gesetzeslehrer gefragt: „Wer ist mein Nächster? (Lk10,29)“ Da erzählt Jesus die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Ein Mensch ist auf dem Weg zwischen Jerusalem und Jericho. Er wird von Räubern überfallen. Sie rauben ihn aus, schlagen ihn brutal zusammen und lassen ihn halbtot liegen. Ein Priester kommt vorbei und geht an dem zusammengeschlagenen Mann vorüber. Desgleichen ein Levit. Erst als ein Samariter vorbeikommt, erfährt der hilflose, zusammengeschlagene und ausgeraubte Mensch Hilfe.

Viele kennen diese Geschichte. Der Samariter versorgt die Wunden des Hilflosen. Er lädt ihn auf seinen Esel und bringt ihn in eine Herberge. Dort bezahlt er den Wirt. Er gibt ihm genug Geld, dass er dem hilflos Verwundeten versorgen und gesund pflegen kann. Am Ende dieser Geschichte gibt Jesus die Frage an den Gesetzeslehrer zurück. Er fragt: „Wer von diesen dreien – Priester, Levit und Samariter - meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war?“ Als der Gesetzeslehrer daraufhin antwortet: „Der, der Barmherzigkeit an ihm tat“, sagt Jesus: „So gehe hin und tu desgleichen (Lk 10,36+37).“

Mir ist diese Geschichte eingefallen, als ich die Losung für diesen Tag las. Sie steht im 3. Buch Mose, Kapitel 19, Vers 3 und heißt: „Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken.“

Wer ist heute mein Nächster? Wer ist heute ihr Nächster?

Ich war im Mai auf dem evangelischen Kirchentag in Berlin/Wittenberg. Das Thema des Kirchentages lautete: Du siehst mich. Es ist ein Wort an die Sklavin Hagar, die in ihrer Not vor Abraham und Sarah flieht (1.Mose 16,1ff). Sie erlebt auf ihrer Flucht, dass Gott sie in ihrer Not ansieht und sich ihrer annimmt: „Du bist der Gott, der mich sieht“, betet sie nach dieser Gottesbegegnung.

„Dieser Kirchentag ist ein Auftrag an uns alle, einander anzusehen, so wie Gott uns ansieht", sagte der Berliner Bischof Markus Dröge in seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst vor dem Reichstag. Die Gottesdienstbesucher beten gemeinsam mit Worten aus dem Psalm 139: “Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.“ Sie beten auch: „Schau auf alle, die in unserer Mitte fehlen. Kranke, Sterbende, Menschen denen Sorgen das Herz schwer machen.“

Im Schlussgottesdienst des Kirchentages in Wittenberg rief der südafrikanische Erzbischof der anglikanischen Kirche, Thabo Makgoba, die Besucher in seiner Predigt dazu auf, mit ihrem Leben ein Spiegel der Liebe Gottes zu sein. „Nachbarn, Flüchtlinge und Feinde sollen Gottes Liebe im Leben der Christen sehen.“

Ich selbst war während des Kirchentages die meiste Zeit am Stand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen auf dem Markt der Möglichkeiten im Einsatz. Gerade auf dem Markt der Möglichkeiten sind die vielen Initiativen zu finden, die sich der Not von Mitmenschen und der Bewahrung unserer Schöpfung verpflichtet haben. Ich staune immer wieder neu, wie viele Menschen sich für Hilfsbedürftige und Notleidende einsetzen.

„Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken“, heißt das alttestamentliche Gebot der heutigen Losung.  Wenn es um unsere Beziehung zu unserem Nächsten geht, geht Jesus darüber hinaus. Als ein Gesetzeslehrer fragt: Wer ist denn mein Nächster, erzählt Jesus die Geschichte vom barmherzigen Samariter.

Ich wünsche Ihnen an diesem Tag den Blick für den einen Menschen, dem Sie zum Nächsten werden sollen. Ich wünsche Ihnen die Barmherzigkeit und Tatkraft des Samariters, um diesem einen Nächsten in seiner Not zu helfen. 


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