/ Wort zum Tag

Ohne Gitter gefangen

Bibelvers

Ich, der HERR, habe dich gerufen, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.

Jesaja 42,6.7

Der Prophet Jesaja hat im Kapitel 42, in den Versen sechs und sieben überliefert: „Ich, der Herr, habe dich gerufen, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.“ Zweimal ist vom Gefängnis die Rede. Ich sehe sie vor mir, die hohen Mauern, mit NATO-Draht gesichert, die Gitter vor sehr kleinen Fenstern, den grauen und eintönigen Alltag. Geringste Anlässe genügen, um Gewalttätigkeiten auszulösen.

Die Worte des Propheten Jesaja haben aber eine viel schlimmere Wirklichkeit im Blick. Fast immer lagen Gefängnisse in feuchten Kellern ohne Fenster. Licht wurde den Gefangenen oft verweigert. Sie saßen im Dunkeln, lebten fast wie Blinde. Die feuchte Kälte, der Gestank, Ungeziefer aller Art, oft sadistisches Wachpersonal, unregelmäßiges und meist minderwertiges Essen waren an der Tagesordnung. Mindeststandards gab es nicht. Das war die Realität hinter diesen alten Worten. Und für viele Gefangene ist das auch heute noch so. Wie sollen wir mit diesem Prophetenwort umgehen? Worum geht es?

Um eine Beauftragung! Gott beauftragt einen uns Unbekannten. Der soll eine Befreiungsaktion starten. Er soll die Gefangenen aus Dunkelheit, Dreck, aus diesen katastrophalen Umständen herausholen. Das löst Fragen aus. Um welche Gefangenen geht es denn eigentlich? Soll der Unbekannte Gefängnisrevolten organisieren? Geht es um die Abschaffung der Gefängnisse oder nur um eine Reform? Ist es die Aufgabe von Christen, sich für die Einhaltung von Mindeststandards in Gefängnissen einzusetzen? Oder ist das ein Berufungstext für Gefängnisseelsorger? Oder sollen damit Helfer angeworben werden, die sich um Gefangene kümmern?

Oder ist das alles nur im übertragenen Sinn gemeint? Könnte es nicht auch sein, dass dieser alte Text den Blick für eine weitere Dimension öffnen will? Man muss doch nicht im Gefängnis sitzen, um gefangen zu sein, oder? Wie viele Menschen um Sie herum leben in Gefängnissen, deren Gitter unsichtbar sind? Sie stecken in Beziehungen fest, die nicht gut für sie und andere sind. Sie sehen kein Ende des Tunnels, kein Licht. Sie sind blind für die Möglichkeiten ihres Lebens. Dann kann es sehr wohl Sinn machen, diesen Satz wörtlich zu nehmen, nämlich Menschen in Gottes Auftrag zu helfen, mit sich und ihrer Situation klarzukommen, Licht in ihr Dunkel zu bringen, ihnen die Augen zu öffnen. So wie Jesus, der Sohn Gottes, es auch gemacht hat.

Und damit geht es tatsächlich um einen Ruf. Es geht darum, für die vielen, die buchstäblich in der Finsternis sitzen, da zu sein. Wollen Sie heute einmal auf solche Menschen achten?

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