/ Wort zum Tag

Barmherzigkeit lohnt sich

Bibelvers

Wer seinen Nächsten verachtet, versündigt sich; aber wohl dem, der sich der Elenden erbarmt!

Sprüche 14,21

Clemens von Brentano hat, wie ich empfinde, einen sehr schönen Satz zur Liebe gesagt. „Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.“ Ich möchte mit dieser Aussage das Thema erläutern, das heute in der Tageslosung anklingt. Für mich geht es darum, etwas abzugeben und selbst nicht zu kurz zu kommen.

Wer sich um andere Menschen kümmert und von seiner Zeit, seiner Kraft, und manchmal auch von seinem Geld oder Besitz abgibt, der hat nicht nur etwas gegeben, sondern am Ende auch erhalten. Das habe ich selbst schon oft erlebt. Wo ich mich für andere eingesetzt und etwas von mir gegeben habe, da fühlte ich mich hinterher nicht ärmer, sondern oft reich beschenkt. In diesem Zusammenhang denke ich an eine alte arabische Legende. Sie erzählt von einem Vater und seinen drei Söhnen. Der Vater stirbt und hinterlässt seinen Söhnen 17 Kamele und ein Testament, in dem er die Aufteilung der Kamele unter seinen Söhnen genau festgelegt hat.

Der älteste Sohn soll die Hälfte bekommen, der zweite Sohn ein Drittel und der jüngste ein Neuntel. 17 Kamele, die Hälfte geht nicht, ein Drittel geht nicht, ein Neuntel geht nicht. Die Zahl 17 lässt sich weder durch 2, noch durch 3, noch durch 9 teilen. Darum geraten die Söhne nach dem Tode des Vaters in einen heftigen Streit. Schließlich kommt ein Fremder geritten. Er hört den Fall an und stellt nach einigem Überlegen sein eigenes Kamel dazu. Nun sind es 18 Kamele und die Aufgabe lässt sich lösen.

Der Älteste bekommt die Hälfte, also neun Kamele, der zweite ein Drittel, also sechs Kamele, und der dritte Sohn erhält ein Neuntel, also zwei Kamele.

Nachdem die Kamele so aufgeteilt sind, machen sie alle eine wunderbare Entdeckung: 9+6+2=17 Kamele. Das vom Fremden dazugestellte Kamel bleibt für ihn übrig. So hat sich der Fremde mit seinem Gut eingebracht, die Schwierigkeit damit gelöst und sein Kamel doch behalten.

Ich kann die Sache zwar nicht genau verstehen und darum auch nicht erklären, aber mir gefällt diese Geschichte. Schon als Kind hatte ich so meine Schwierigkeiten mit gewissen mathematischen Aufgaben. Doch das macht hier nichts. Es geht mir gar nicht um die korrekte mathematische Lösung, sondern vielmehr um das Beispiel, unabhängig davon wie es funktioniert. Wohl dem, der sich erbarmt und dort hilft, wo andere Hilfe brauchen. Wer sich einbringt und sich zur Verfügung stellt, der kann erleben, dass er anderen etwas gibt und schließlich selbst etwas zurückbekommt. Ich bin froh über solche Erfahrungen und höre das auch oft von anderen. Sie erzählen mir zum Beispiel wie sie einen alten oder kranken Menschen besucht haben, Zeit eingesetzt, einfach nur zugehört und so die Möglichkeit gegeben haben, dass der andere sich mal aussprechen konnte, und dann, nach der Verabschiedung, spürten sie, dass sie selbst etwas mitgenommen haben aus der Begegnung und empfanden sich reich beschenkt.

Ja, wohl dem, der seinen Nächsten nicht verachtet, sondern sich der Elenden erbarmt.

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