/ Wort zum Tag

Wer den Armen verspottet …

Bernhard Heyl über Sprüche 17,5

Bibelvers

Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.

Sprüche 17,5

"Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines anderen Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben", Sprüche 17,5.

Das Problem von Armut und Reichtum ist so alt, wie die Menschheitsgeschichte. Ebenso alt ist auch die Frage, wie damit umzugehen sei. Ist Gott immer auf der Seite des Armen und immer ein Feind des Reichen? Qualifiziert Armut allein schon für Gottesnähe? Ist sie immer ein unverdientes Schicksal? Das Buch der Sprüche sieht das sehr differenziert. Zum einen kann da ganz unverblümt von einem faulen Menschen gesagt werden (24,33): „Noch ein bisschen schlafen, ein wenig schlummern, die Hände zusammenlegen, um zu ruhen“ und schon kommt die Armut über dich wie ein Landstreicher und die Entbehrung wie ein Gewappneter (übermächtig). Gehe hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Weise an, dass du klug werdest!“ Oder auch (20,4): „Im Herbst mag der Faule nicht pflügen, will er dann zur Erntezeit sammeln, so ist nichts da.“

Ohne Frage kennen wir das auch heute. Aber davon soll im Zusammenhang mit unserem heutigen Bibelwort mal nicht die Rede sein. Es geht um den unschuldig Armen, um den, der keine Chance hatte und hat. Als Leiter einer Flüchtlingsunterkunft habe ich mit vielen Armen zu tun. Natürlich ist mir klar, dass nicht alle zu den Armen in ihrem jeweiligen Heimatland gehörten, aber hier sind sie arm. Wenn sie zu mir kommen, besteht ihr gesamtes Hab und Gut aus 2-3 Koffern pro Person. Eine vierköpfige Familie kann mit allem, was sie hat, in einem 18 m² großen Zimmer unterkommen. Das ist Armut – ohne Frage! Kritiker wenden oft ein, viele Geflüchtete hätten ja gar aus Gründen persönlicher Gefährdung ihr Land verlassen müssen. Sie hätten ihre hiesige Armut ja quasi selbst verschuldet. Das ist sicher in manchen Fällen zutreffend, aber vielfach ist es die Armut zu Hause, die junge Menschen – vor allem aus Westafrika - auf die gefährliche Route nach Norden zieht, treibt oder gar zwingt. Natürlich ist das dann nicht vom Asylrecht gedeckt, aber auch das andere ist wahr: die Armut der Welt geht uns Christen etwas an! Sie nicht zu beachten oder kleinzureden wäre eine Schande. Es ist eine spezifisch christliche Tugend, dem Hungrigen das Brot zu brechen, dem Perspektivlosen Hoffnung zu geben und den Wohlstand, den Gott uns gegeben hat, mit den Benachteiligten zu teilen. Wer das nicht will, wer argumentiert: Ich kann doch nicht die ganze Welt retten!, oder gar den Standpunkt vertritt: Irgendwie sind die doch alle selber schuld!, der bewegt sich auf gefährlichem Gebiet: Unser Bibelwort sagt: „Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines anderen Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.“

Uns Christen muss unbedingt daran gelegen sein, die Not der Welt wahr- und ernst zu nehmen. Uns muss klar sein, dass wir in den westlichen Ländern der Nordhalbkugel kein natürliches Anrecht auf einen höheren Lebensstandard haben, als Menschen in anderen Teilen der Welt. Oder wer von uns kann etwas dafür, zum Beispiel als Europäer geboren worden zu sein? „Wem viel gegeben ist, von dem wird man auch viel fordern!“ sagt Jesus einmal. Das gilt m. E. auch für die materiellen Möglichkeiten, die vielen von uns gegeben sind. Die Frage muss sein: Wieviel darf ich behalten, von dem, was mir zufließt? Und nicht: „Was muss ich abgeben?“ Manfred Siebald hat aus meiner Sicht recht, wenn er in einem Lied formuliert: „Was wir so fest in Händen halten, das ist uns alles nur von Gott geliehn, wir dürfen es verwalten, wir dürfen es gestalten und geben es zurück an ihn.“

Unser Haus, unser Auto, unser Bankkonto – lediglich eine vorläufige Leihgabe Gottes? Kein Besitz, sondern geliehen? Das ist harter Tobak. Und doch hilft es uns, die Dinge im rechten (im göttlichen) Licht zu sehen. Reichtum – oder sagen wir lieber – Wohlstand verpflichtet!  Wie das aussieht, das kann ganz unterschiedlich sein. Aber eines steht keinem Christen gut zu Gesichte: nämlich Desinteresse an den Problemen der Armen dieser Welt. Angefangen natürlich bei den Menschen um uns herum, aber zugleich auch weit darüber hinaus. Und dabei geht es beileibe nicht immer um Geld. Viel mehr wert ist in unseren Breiten das Schenken von Zeit. Wie wär´s mit einigen Stunden Deutschunterricht pro Woche in der nächst gelegenen Flüchtlingsunterkunft – bei den Ärmsten der Armen? Da sind Leute mit Rückgrat gefragt und mit der festen Überzeugung, dass Gott den Armen liebt, wie den Reichen.


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