/ Wort zum Tag

Tief verwurzelt in der Liebe

Lothar Leese über Epheser 3,16.17

Bibelvers

Paulus schreibt: Ich bitte den Vater, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen Wohnung nimmt und ihr in der Liebe tief verwurzelt und fest gegründet seid.

Epheser 3,16.17

„Ich bin klein, mein Herz mach rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein“. Dieses Gebet habe ich von meiner Mutter gelernt und als Kind gebetet. Was das bedeutet, dass Jesus in meinem Herzen wohnt, konnte ich als Kind nur ahnen.

Heute empfinden viele dieses Gebet als problematisch. Denn in einem solchen kleinen Kinderherzen – da wohnen schon so viele Dinge und Menschen: Mama und Papa zum Beispiel, vor allem, Oma und Opa – der Teddybär oder die Puppe – das Spielzeugauto oder das Meerschweinchen. Und bei Erwachsenen wohnen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte noch mehr Menschen und Dinge im Herzen.

Aber dass Jesus in unserem Herzen wohnen soll, ist mehr als ein frommer Kinderwunsch. Es ist das zentrale Gebetsanliegen des Apostels Paulus für die Gemeinde. Paulus schreibt den Christen in Ephesus: „Ich bitte den Vater, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen Wohnung nimmt und ihr in der Liebe tief verwurzelt und fest gegründet seid“ (Epheser 3,16.17).

Wenn Paulus für die Gemeinde betet, müsste er dann nicht für gut besuchte Gottesdienste, für volle Kirchen beten? Nein! Er betet für volle Herzen! Paulus weiß: Das entscheidende Wachstum der Gemeinde geschieht nicht in zahlenmäßig messbarem Erfolg, sondern verborgen im Glaubensleben der Christen.

Deshalb betet er für den „inwendigen Menschen“. Unsere Gebete beziehen sich meist auf den äußeren Menschen. Wir beten z. B. um Gesundheit, um Bewahrung, um berufliches Fortkommen usw.. Darüber reden wir, dafür tauschen wir oft auch Gebetsanliegen aus – aber wann und wo sprechen wir über unser Inneres „den inwendigen Menschen“? Manchmal erlaube ich mir im persönlichen Gespräch die Frage: „Wie geht es Deiner Seele?“ oder „ Wie sieht es in Deinem Herzen aus?“

Paulus weiß, dass wir Menschen da schlecht rankommen. An den inneren Menschen kann nur Christus ran, der in unserem Herzen wohnen will. Das griechische Wort, das Paulus hier verwendet, besagt, dass jemand dauernd und nicht nur vorübergehend seinen Wohnsitz hat. Jesus will bei uns nicht nur hin und wieder zu Gast sein, sondern in unserem Herzen wohnen. Das hat er seinen Freunden versprochen: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“ (Joh. 14,23). Unser Herz soll voll werden, voll mit Jesus, prall gefüllt mit den wunderbaren Möglichkeiten Gottes – indem Christus persönlich in unseren Herzen einzieht durch den Heiligen Geist.

Wenn man ein möbiliertes Zimmer bezieht, dann dauert es nicht lange, und das Zimmer sieht ganz anders aus. Das Bett steht woanders, die Stühle und der Tisch kommen in eine andere Ecke, neue Bilder werden aufgehängt und manches andere verschwindet ganz.

So auch bei Jesus. Wenn „Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohnt“, dann wird sich unser Leben spürbar verändern. Wenn Christus in unser Herz „einzieht“, dann kann unser Herz nicht so bleiben, wie es war. Dann kann es nicht mehr kalt, hart und lieblos bleiben. Jesus will ja nicht in uns hausen, sondern wohnen. Manchen lästigen Untermieter wird er vor die Tür setzen. Lüge, Zorn, Hass und böses Gerede und vieles andere haben da, wo Jesus einkehrt, nichts zu suchen.

Dann werden wir in der Liebe verwurzelt und gegründet.

Auch heute dürfen Sie Jesus einladen, bei Ihnen Wohnung zu nehmen, vielleicht mit den Worten des Liederdichters (Heinrich Georg Neuß 1703):

„Dir öffn ich, Jesu, meine Tür,

ach komm und wohne du bei mir;

 treib all Unreinigkeit hinaus

aus deinem Tempel, deinem Haus.“


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