/ Wort zum Tag

Sei niemandem etwas schuldig

Andreas Hannemann über Römer 13,8

Bibelvers

Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt.

Römer 13,8

Letztens war ich beim Frisör. Als ich zahlen wollte merkte ich, dass ich zu wenig Geld in der Tasche hatte. Wie peinlich. Die Frau an der Kasse war ganz freundlich: „Kein Problem, Herr Hannemann, bringen sie das Geld einfach bei ihrem nächsten Besuch mit.“ Mir ist das unangenehm, wenn ich weiß, dass ich bei jemandem noch eine offene Rechnung habe. Da mag ich nicht lange warten. Ich bin am nächsten Tag noch einmal in den Friseurladen gegangen und habe das fehlende Geld vorbeigebracht.

„Seid niemandem etwas schuldig“ – schrieb Paulus an die Gemeinde in Rom. Ob er dabei an meinen Friseurbesuch gedacht hat, bei dem das Geld nicht langte – wahrscheinlich hatte Paulus was Anderes vor Augen. In den Bibelversen vor dem heutigen Lehrtext aus Römer 13, Vers 8, steht, was Paulus meinte: „So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt“.  Worum ging es Paulus? Paulus forderte die Christen dazu auf, ehrlich die Steuern und den Zoll zu bezahlen. Paulus wünschte sich von den Christen, dass sie mit Respekt den Politikern begegnen. Hasskommentare auf Facebook oder üble Beleidigungen gegenüber Politikern in sozialen Netzwerken – Paulus hätte dafür nur ein Wort übriggehabt: Nein, und nochmals nein!

„Seid niemandem etwas schuldig“ – für Paulus bedeutete das: Erfüllt die Anforderungen des Gemeinwesens, in dem ihr lebt. Seid dankbar dafür, dass sich Menschen für das Land einsetzen, in dem ihr lebt.

Der Lehrtext für heute geht aber weiter: „Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt“. Worin unterscheiden sich die Steuern und der Zoll von der Liebe? Steuern und Zoll sind irgendwann gezahlt. Es gibt eine Grenze – wie gut.

Wenn diese Grenze erreicht ist, kann ich mich zurücklehnen und beruhigt sagen: So, jetzt ist es genug!

Das ist bei der Liebe anders. Liebe kann man nie genug geben. Bei der Liebe ist es nicht so, dass irgendwann eine Grenze erreicht ist und ich mein Soll erfüllt habe.

Das hört sich zunächst nach einem gnadenlosen Gesetzt an. Ist es aber nicht. Für Paulus war es selbstverständlich, dass die Liebe Gottes ein 100%iges Geschenk ist. Paulus schrieb an die Römer: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Römer 5,5).

Die Liebe ist nie etwas ist, was Christen aus sich selbst heraus produzieren müssen. Die Liebe zum Nächsten lässt der Heilige Geist in mir entstehen.

Weil Jesu Liebe grenzenlos ist, kann meine Liebe zu anderen Menschen nicht begrenzt werden. Wie wäre es, wenn Jesu Liebe am heutigen Tag Raum bekäme? Wie wäre es, wenn ich mich entscheiden würde, Jesu Liebe in meinem Leben heute zuzulassen? Alles Weitere wird Gott machen – bestimmt.


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