/ Wort zum Tag

Selig seid ihr Armen

Bibelvers

Jesus spricht: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.

Lukas 6,20

„Sind wir eigentlich reich, Mama?“ Mit dieser Frage kam meine kleine Nichte aus dem Kindergarten zurück. In der Kindergartengruppe war über ‚arm‘ und ‚reich‘ gesprochen worden, und diese Frage „Sind wir reich?“ beschäftigte meine Nichte. Das führte in unserer Familie zu einem Gespräch darüber, wer denn als reich gilt.

Materiell gesehen, besitzen wir Mitteleuropäer sehr viel mehr als Menschen in Afrika. Andererseits gibt es auch in Deutschland große Unterschiede zwischen denen, die sich einen großzügigen Lebensstil erlauben können, und denen, bei denen es am Ende des Monats gerade für das Nötigste reicht. Die einen haben viel Geld und Besitz, die anderen wenig oder zu wenig, und egal wo wir uns einordnen, eines steht fest: Arm will keiner sein!

Und doch spricht unser Bibelwort für heute genau davon. Es steht im sechsten Kapitel des Lukasevangeliums in Vers 20. Jesus spricht: „Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.

Selig seid Ihr Armen. Der Evangelist Lukas berichtet uns, dass Jesus zu seinen Jüngern und zu einer großen Menschenmenge spricht. Jesus spricht also zu denen, die ihm treu nachfolgen, und ebenso zu den vielen Interessierten und einfach Neugierigen. Darunter waren sicher sowohl arme als auch für zeitgenössische Verhältnisse wohlhabende Menschen. Ihnen allen ruft Jesus zu: „Selig seid ihr Armen.“ Jesus preist diejenigen glücklich, die arm sind, und dann die, die hungrig sind und die traurig sind. Das klingt doch nach verkehrter Welt.

An anderer Stelle preist Jesus die „geistlich Armen“. Der Evangelist Matthäus überliefert uns das in der Bergpredigt. Doch hier im Lukasevangelium geht es konkret um die materiell Armen, um die, die sich Tag für Tag darum sorgen müssen, ob sie genug zum Leben haben. Diesen Armen spricht Jesus jetzt zu: „Euch gehört das Reich Gottes.“ Das heißt: Ihr seid jetzt schon von Gott angenommen und zwar so, wie Ihr seid: in Eurer Armut. Jesus ruft den Armen zu: ‚Bei Gott seid Ihr nicht ausgegrenzt als die Niedrigen, als die, die am Rand der Gesellschaft stehen, sondern bei Gott seid gerade Ihr Armen angenommen. Deshalb könnt Ihr Euch schon jetzt glücklich preisen.‘ Und Jesus verheißt darüber hinaus: Es wird eine Zeit kommen, in der Armut, Hunger und Elend ein Ende haben.

Eine wunderbare Zusage für die Armen. Doch was ist mit den Reichen, die jeden Tag genug zum Essen und zum Leben haben? Auch sie gab es sicher in der großen Zuhörerschar rund um Jesus und auch in der Gemeinde, für die der Evangelist Lukas diese Worte von Jesus festhält. Und gehören nicht auch wir, die wir heute dieses Bibelwort hören, zu den Reichen, die heute genug zu essen und ein Dach über dem Kopf haben? Was fangen wir mit den Worten „selig seid ihr Armen“ an?

Für den Evangelisten Lukas ist es typisch, arm und reich nebeneinander zu stellen. Immer wieder kommt er auf das Thema Besitz zu sprechen. Denn für ihn ist der Besitz ein Testfall. Hier entscheidet sich, an wem das Herz hängt: an Jesus oder am irdischen Besitz und Wohlergehen? Und Lukas weiß auch, dass es für den, der satt ist, der eine schöne Wohnung und ein bisschen Geld für alle Fälle hat, schwieriger ist zu erkennen, dass auch er bedürftig ist, ja dass auch er arm ist. Denn auch der materiell Reiche ist letztlich abhängig – von Gott.

Und wenn Jesus ruft: „selig seid ihr Armen“, dann ist die Kehrseite die Frage: Wie geht Ihr Reichen mit eurem Besitz um? Denkt Ihr daran, dass Euer Besitz ein Geschenk von Gott ist, mit dem Ihr verantwortlich umgeht? Die Seligpreisung für die Armen ist eine Anfrage an unseren Lebensstil in der Gesellschaft und vor Gott. Und auch für meine kleine Nichte und in meiner Familie ist das Thema „arm und reich“ noch nicht zu Ende diskutiert.

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