/ Wort zum Tag

Wünsch dir was!

Uwe Bertelmann über 1. Könige 3,11-12

Bibelvers

Gott sprach zu Salomo: Weil du weder um langes Leben bittest noch um Reichtum noch um deiner Feinde Tod, sondern um Verstand, auf das Recht zu hören, siehe, so tue ich nach deinen Worten.

1. Könige 3,11–12

Unsere Tochter liebt das Sams. Ein Wesen, wunderbar erdacht von Paul Maar, mit rotem Haar und einer Nase wie ein Schweinerüssel, das sich seinen Wahl-Papa Taschenbier ausgesucht hat und bei ihm wohnt. Und das Sams hat blaue Wunschpunkte. Jedes Mal, wenn Papa Taschenbier sagt „Ich wünsche …“, verschwindet einer dieser Punkte, und der Wunsch geht in Erfüllung. Papa Taschenbier wünscht am Anfang ziemlich leichtsinnig und die ganze Wünscherei ist ziemlich unsinnig. Irgendwann sind alle Punkte bis auf einer verbraucht. Was soll er mit diesem Punkt wünschen?

Wenn einer meiner Wünsche in Erfüllung gehen sollte, welcher wäre das? Und jetzt mal nicht den Weltfrieden oder – der ultimative Spitzenwunsch – dass Jesus wiederkommt und selbst die Weltregierung übernimmt. Sondern einen Wunsch in meinem persönlichen Einflussbereich. Einen gigantischen Lottogewinn, sodass ich einige schwierige Dinge regeln könnte? Heile Beziehungen in der Familie? – Was würden Sie sich wünschen? Dieser Wunsch würde unheimlich viel über unser Herz verraten.

Der biblische König Salomo hatte tatsächlich einen Wunsch frei, den Gott ihm erfüllen würde. Er befand sich in einer ähnlichen Situation wie Donald Trump: Er war plötzlich der König und hat keinerlei Erfahrung in Regierungsangelegenheiten. Immerhin hatte er einen Vater, bei dem er sich abschauen konnte, wie König-Sein geht. Und er hat sich den Weg auf den Thron auch erst bahnen müssen und war nicht gerade zimperlich, seine Gegner aus dem Weg zu räumen. Politische Allianzen hatte er auch schon geknüpft. Das politische Talent war also schon unter Beweis gestellt.

Trotzdem fühlte er sich mit dieser Aufgabe überfordert. Und er tat, was üblich war: Er brachte als frisch gebackener König seinem Gott Opfer dar. Das tat er aber über die Maßen großzügig. Als Zeichen der Dankbarkeit. Aber auch, um seine Abhängigkeit von Gottes Segen zum Ausdruck zu bringen. Und Gott fordert ihn tatsächlich auf: „Bitte mich, was ich Dir geben soll.“

Ein Wunsch frei! Was soll er bitten? Langes Leben? Reichtum? Sieg über seine Feinde? Salomo bittet um Weisheit und ein gehorsames Herz. Und Gott schenkt es ihm – und die anderen Sachen gibt’s als Zugabe oben drauf. Weil Gott das Herz von Salomo gesehen hat. Der Wunsch zeigte, was bereits in Salomos Herz war: Der Wunsch, zu erkennen, was Gottes Wille ist, und weise regieren zu können. Und Gott gibt Salomo seinen Geist, der ihn dazu tatsächlich befähigt und lässt seine Weisheit legendär werden. Das ist allerdings kein Automatismus – Salomo kann sich auch wieder von Gott lösen, und gegen Ende seines Lebens tut er das leider auch.

Ein Wunsch frei. Gott ist ein Gott, der gerne und großzügig gibt. Und vielleicht bin ich manchmal zu bescheiden und traue mich nicht, meine Wünsche auszusprechen. Vielleicht aus falscher Bescheidenheit. Vielleicht aber auch, weil das etwas über mein Herz verraten würde. Was ich doch vor Gott nicht zugeben möchte. Ich kann mir doch nicht wirklich dieses Auto oder diesen Posten wünschen. Oder gar, dass ein bestimmter Mensch aus meinem Leben verschwindet und ich mich nicht mehr an ihm reiben muss.

Im Fall von Salomo zeigte der Wunsch ein Herz, das kompatibel zu Gottes Vorstellungen war. Wenn das bei mir nicht der Fall ist? Wenn meine Wünsche inkompatibel mit Gottes Vorstellungen sind? Soll ich sie dann lieber verschweigen? Oder sollte ich nicht lieber mit ihm darüber reden. Sie ihm trotzdem sagen. Die Wünsche, die ich noch nie einem Menschen offenbart habe. Mit Gott kann ich darüber reden. Kann sein, dass mir das dann etwas über mein Herz sagt, was mir nicht gefällt – dann bin ich ja bei Gott an der richtigen Adresse. Dann könnte ich den Wunsch Salomos noch hinzufügen: Schenk mir ein weises und verständiges Herz. Ich glaube, dieser Wunsch gefällt Gott immer noch genauso gut wie damals.


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