/ Wort zum Tag

Der freundliche Gott

Bibelvers

Ihr habt schon geschmeckt, dass der Herr freundlich ist.

1. Petrus 2,3

Die Gottesfrage wird in unserer Zeit immer wichtiger. Christen müssen ihren Glauben erklären und begründen können – oft in Auseinandersetzung mit Vertretern anderer Religionen oder mit Atheisten. In vielen Gesprächen geht es um die unterschiedlichen Bilder von Gott, die Menschen prägen. Da ist zuerst das Bild vom abwesenden Gott. Wenn es Gott überhaupt gibt, so die Argumentation, dann ist er weit weg, nicht erfahrbar – eben abwesend. Er kommt im Leben nicht vor, bleibt stumm, greift nicht ein. Auf so einen Gott kann man gut verzichten.

Ein zweites Gottesbild nenne ich den Notnagel-Gott. Diese Gottesvorstellung erinnert an eine Rettungsleitstelle. Ich nehme den Kontakt zu Gott nur im Notfall auf. Solange man ohne ihn auskommt, ist Gott entbehrlich. Himmlische Unterstützung zur eigenen Lebensbewältigung wird nur angefordert, wenn nichts mehr geht.

Treffend an diesem Bild ist: Es geht davon aus, dass Gott helfen kann und will, ja, dass er gerade in ausweglosen Situationen zur Seite steht. Ich fürchte allerdings, dass das Bild vom Notnagel-Gott ein verkürztes Gottesbild ist. Es reduziert Gott auf einen Problemlöser und Lückenbüßer. Wer Gott aber nie auf der Höhe, im Zentrum des Lebens erfahren hat, weiß häufig nicht, wo und wie er ihn suchen und finden kann, wenn er an seine Grenzen stößt.

Das dritte Gottesbild ist heute wegen seiner Vielgestaltigkeit sehr beliebt. Ich nenne es den Buffet-Gott. Will sagen: Das Angebot an Gottesvorstellungen ist reichhaltig und äußerst vielseitig. Jeder kann am Buffet der Gottesvorstellungen auf seine Art und Weise selig werden. So wird aus der reichhaltigen Speisekarte unterschiedlicher Traditionen und Weltanschauungen nach Belieben ausgewählt und zusammengestellt. Ein bisschen Hinduismus, ein bisschen Islam, ein bisschen Buddhismus, nicht zu vergessen die Esoterik und natürlich christlicher Glaube. Als Gottesbild wird akzeptiert, was mir „schmeckt“, also einleuchtet. Die Wahrheitsfrage wird selbstverständlich nicht gestellt.

Ein viertes Gottesbild nenne ich den Kontrolleur-Gott. Gott, so denken Viele, ist wie eine Radarfalle, die immer aufblitzt, wenn ich eine Regel überschritten habe.

In diesem Gottesbild ist eine heimliche und manchmal unheimliche Gottesangst verborgen. Genährt von der Vorstellung, Gott würde wie ein himmlischer Buchhalter genau meine Verfehlungen auflisten, um sie dann gegen mich zu verwenden. Gott, der große Kontrolleur. Dieses Gottesbild entstand in vielen Seelen im Zuge einer sogenannten christlichen Erziehung, die hochgradig ungenießbar war. Da wurde Gott als Drohwort aufgebaut und Religion als Mittel zur Disziplinierung missbraucht. „Der liebe Gott sieht alles!“

Viele Gottesbilder sind mit Vorsicht zu genießen. Aber wohin soll ich denn nun eigentlich sehen, wenn ich etwas Verlässliches von Gott erkennen will? Mir hilft ein Blick in die Bibel. In der Weihnachtsgeschichte heißt es: „Fürchtet euch nicht!“ Gott kommt den Menschen mit seiner großen Liebe entgegen. Sie muss nicht in kriecherischer Gottesangst erarbeitet werden. Sie ist geschenkt. In der Bibel werden viele spannende Geschichten von Menschen erzählt, die die Liebe Gottes in ihrem Leben erfahren haben und verändert wurden.

Wer Gott zu Gesicht bekommen will, muss Jesus Christus, den Sohn Gottes, ansehen. Der hat von sich selbst gesagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ (Johannes 14, 9). Christen sind Menschen, die beschlossen haben, nicht ihren eigenen Gottesvermutungen und Gottesbildern nachzulaufen, sondern dem Bild zu vertrauen, das Gott in Jesus Christus von sich selbst gezeichnet hat.

Wie hieß es im 1. Petrusbrief? „Ihr habt schon geschmeckt, dass der Herr freundlich ist.“

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