/ Wort zum Tag

Angst vor Menschen

Ruth Bai-Pfeifer über Sprüche 29,25

Bibelvers

Menschenfurcht bringt zu Fall; wer sich aber auf den HERRN verlässt, wird beschützt.

Sprüche 29,25

Wenn wir etwas Neues wagen wollen, taucht bei vielen von uns eine typische Frage auf: „Was würden denn die Anderen von mir denken?“ Wer von uns kennt diese Gedanken nicht? Mal ganz ehrlich, haben Sie das nicht auch schon mal gedacht? Kleinen Kindern ist es egal, was andere von ihnen denken. Sie spielen, schreien, springen und freuen sich am Leben. Aber irgendwann wird ihnen gesagt, wie sie sich zu verhalten haben und was die Anderen über sie denken. Kinder lernen sehr schnell, was das heisst: Wenn sie sich so oder anders verhalten, werden sie entweder geliebt oder abgelehnt.

Und so beginnt dann oft ein Leben, das vom Wunsch bestimmt ist, anderen Menschen zu gefallen – den Eltern, dem Lehrer, dem Partner, den Nachbarn, dem Pastor – und im Alter den eigenen Kindern. Wer so lebt, tut nicht mehr das, was er eigentlich selber will. In vielen Familien ist der Satz „Was würden denn die Anderen von uns denken“ zu einem geflügelten Wort geworden. Und er hat unterschiedliche Auswirkungen. Vielleicht wollen die Eltern nur, dass ihre Kinder gut sind in der Schule, später studieren oder einen guten Beruf erlernen, mit dem sie brillieren können. Manche erwarten von sich aber noch mehr: Sie möchten nie einen Fehler machen, weil sonst ihre Welt zusammenbrechen würde.

Wie auch immer: Wir wollen gut vor anderen Menschen da stehen. Wir wollen geliebt werden. Wir wollen Bestätigung erhalten, und wir haben Angst vor Zurückweisung.

Ist es nicht unglaublich schwierig, sich von den Erwartungen anderer frei zu machen? Ich habe einen Satz von James Frey gelesen, der mich sehr nachdenklich gestimmt hat: „Sorge dich darum, was andere Leute über dich denken und du wirst immer ein Gefangener ihrer Erwartungen sein.“ Die heutige Bibellese aus Sprüche 29, Vers 25 sagt in etwa dasselbe aus, nur noch etwas kürzer: „Menschenfurcht bringt zu Fall!“ Wenn wir uns immer darauf konzentrieren, das zu tun, was andere Menschen von uns erwarten, werden wir abhängig von ihnen.

Wir vergessen unsere Träume und Bedürfnisse. Wir rennen innerlich gestresst vom Einen zum Andern, um möglichst alle glücklich zu machen. Wir versuchen alle zufrieden zu stellen, alle Erwartungen zu erfüllen und vergessen uns selbst dabei. Es ist gut und gesund, dass wir uns für die Meinung anderer interessieren. Das zeigt unsere Bereitschaft zu lernen, andere Meinungen anzuerkennen und uns dadurch weiterentwickeln zu wollen. Angst vor der Meinung anderer zu haben bedeutet dagegen, dass wir unseren Selbstwert davon abhängig machen, was andere von uns denken.

Wie gut ist es doch, dass der Vers in Sprüche 29 noch weiter geht: „Wer sich aber auf den Herrn verlässt, wird beschützt.“ Der lebendige Gott möchte uns beschützen und uns die Angst vor der Meinung anderer Menschen nehmen. Wir müssen uns nicht länger mit anderen Menschen vergleichen; wir müssen uns nicht abhängig von ihrer Meinung machen. – Wir dürfen uns auf den Herrn verlassen. Er gibt uns Anerkennung, Liebe, Bestätigung und Selbstwert, weil er unser Schöpfer ist. Er liebt uns sogar dann, wenn wir Fehler machen. Wie gut ist es doch, dass wir nicht länger Angst vor Menschen haben müssen, sondern eines wissen können: „Wer sich aber auf den Herrn verlässt, wird beschützt.“


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