/ Wort zum Tag

Ein Blick zurück hilft nach vorn

Eduard Friesen über Psalm 71,17

Bibelvers

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.

Psalm 71,17

Ich erinnere mich noch daran als wäre es heute: Uns wird mitgeteilt, dass der Fleck, der anfangs auf der Lunge meiner Frau entdeckt wurde, ein Krebstumor ist. Dass dringend operiert werden muss. Dass es danach wohl auch eine Chemo geben wird. Für uns brach eine Welt zusammen. Die Hoffnungen auf ein gutes Leben, die Hoffnung, die Kinder gemeinsam aufwachsen zu sehen, gemeinsam alt zu werden, waren plötzlich in Frage gestellt. Wir fühlten uns als wäre eine dunkle Welle über uns hinweggerauscht, und dass das Licht plötzlich ausgeschaltet war. Man ist wie in einem dunklen Raum, ohne Orientierung, ohne Hoffnung, mit viel Angst und viel Unsicherheit. Wie wird es weiter gehen? Bedeutet das das Ende? Wie werden wir das überstehen? Wie sollen die Kinder das überstehen?

In Zeiten der Not lenken wir unseren Blick auf das Problem, das vor uns liegt. Auf das hier und jetzt. So werden wir ganz gefangen in diesem Problem. Und es saugt uns richtig auf, wie ein Strudel im Meer.

König David kannte solche Zeiten der Angst und Note. Er redet in unserem Psalm konkret von seiner Angst vor dem Tod, den seine Feinde ihm bringen wollten. ER hatte zu Gott gebetet und Gott lässt ihn immer noch warten. Die Hilfe bleibt noch aus.

In diese Situation hinein spricht David , in Psalm 71,17 heißt es:

17 Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.

David wendet seinen Blick von dem jetzigen Problem. Er hört auf, Gottes Liebe und Beistand an der Antwort zu messen, die er jetzt bekommt. So nach dem Motto: Wenn Du mir nicht hilfst, dann liebst Du mich gar nicht. Oder Wenn Du mir nicht so hilfst wie ich möchte, dann kümmerst Du Dich gar nicht. NEIN!!! David wendet seinen Blick in die Vergangenheit und erinnert sich an die Güte und Freundlichkeit Gottes. Gott ist real. Er hatte ihn erlebt. Für ihn ist klar, dass es Gott gibt. Dass er sich kümmert. Dass Gott ihn liebt. Das gegenwärtige Ausbleiben der Antwort Gottes ist kein Grund an seiner Liebe und Hilfe zu zweifeln.

David geht aber auch einen zweiten Schritt: Er tut das Gegenteil von dem, was man von ihm erwartet hätte. Kein Selbstmitleid, keine Klage. Er verkündigt die Wunder Gottes. Welche Wunder. Im Moment bleiben ja die Wunder aus. Sonst wäre er nicht in dieser Misere.

David verkündigt die vergangenen Wunder. Die Erfahrungen, die er mit Gott gemacht hatte. Wie Gott ihn immer wieder aus der Schlinge geholt hat. Wie er Saul immer wieder gehindert hat, David zu fangen. Wie David den Philistern entkommen ist. Wie David die Frauen und Kinder aus der Hand der Amalekiter befreien konnte. Es gibt viele solcher Geschichten.

David verkündigt die Wahrheit: Gott liebt mich und er hilft mir. Er verkündigt diese Wahrheit anderen Menschen und vielleicht auch sich selbst.

Durch die Verkündigung hilft er die eigene Sicht zurechtzurücken. Man kann die eigene Leidenssituation oft nicht richtig einordnen, solange man drinsteckt. Es hilft, über die vergangenen Erfahrungen Gottes nachzudenken. Wenn Gott weit weg erscheint, rufen wir uns in Erinnerung, dass er uns ganz nah ist. Wenn er lieblos erscheint, weil er solches Leid zulässt, rufen wir uns in Erinnerung, welche Liebesbeweise wir von Gott schon bekommen haben. Somit finden wir Trost und Mut in der Wahrheit über das Wesen Gottes.

David spricht über die Wunder Gottes trotz seiner Misere. Trotz der jetzt ausbleibenden Wunder. Wir müssen nicht erst warten, bis die Krise vorbei ist. Wir dürfen auch in der Krise sagen, wie Gott ist und handelt.

Das ist Glaube. Damit wird David für mich zu einem Glaubenshelden. David redet über einen helfenden Gott, noch bevor ihn die Hilfe erreicht hat. Er redet über einen liebenden Gott, noch bevor er die Liebe in dieser Situation zu spüren bekommt.

Am Ende geht es mehr um die Person Gottes als um die Not, in der sich David befindet. Wenn wir, wie David, über Gott reden, findet unser Herz Trost, Ruhe und Sicherheit. „Gott ist hier, wer kann uns schaden.“


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