/ Wort zum Tag

Entscheidend ist die Liebe

Roland Krause über Johannes 13,35

Bibelvers

Jesus spricht: Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Johannes 13,35

Ein sinnfälliges, ein körperlich spürbares und deshalb unvergessliches Zeichen gibt Jesus seinen Jüngern in der letzten gemeinsamen Nacht: Er wäscht seinen Jüngern nicht den Kopf, sondern die Füße. Er erhebt nicht den moralischen Zeigefinger, sondern er selbst kniet sich nieder, um eine Arbeit zu tun, die sonst von Sklaven verrichtet wird. Jesus hält seinen Jüngern eine ganz und gar unvergessliche Predigt. Wortlos beugt der gottgesandte Messias sich herab, lässt sich herab – auf seine Knie, um seinen Jüngern den Schmutz abzuwaschen von ihren Füßen – und von ihren streitsüchtigen Herzen,

Die Hände, denen der Vater alle Macht übergeben hat, kennen keine Berührungsängste. Nichts ist für Gottes Hände zu schmutzig, zu niedrig. Gott beugt sich herab – bis dorthin, wo der Dreck an mir klebt. Ganz ohne Herablassung geschieht der wortlose Dienst der Liebe. Ohne Worte predigt Jesus: Wenn du teilhaben willst an meinem Reich, muss zuvor ich herabsteigen und dir dienen – und du musst dir dienen lassen.

An allen tut Jesus seinen Dienst – an den Zweiflern, an den Selbstgerechten, an denen, die es lange schon verlernt haben, sich selbst zu lieben, an denen, die Fehler machen.  Jesus zeigt, wie weit er zu gehen bereit ist. Er wäscht die Füße wie ein Sklave. Er stirbt am Kreuz wie ein Schwerverbrecher. Wozu das alles? Aus Liebe!

Denn im Vermächtnis der Fußwaschung geht es nicht nur darum, was Jesus tut. Sondern hören wir auch das, was er uns aufträgt: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe“, sagt Jesus am Schluss. Und als Judas dann hinausgeht in die Nacht, um Jesus zu verraten, da spricht Jesus noch einmal – und hierin liegt das Vermächtnis seines ganzen Tuns: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt. (…) Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Das Wichtige am Ende; wenn alles andere getan und gesagt ist, kommt das Vermächtnis: Das Wesentliche ist die Liebe. Was am Ende über unser Leben entscheiden wird, ist nicht unsere Leistung. Entscheidend ist die Liebe Gottes, aus der wir gelebt und die wir gegeben haben. Entscheidend sind die Spuren, die wir ins Leben anderer legten. Darum spricht Jesus in diesem Moment des Abschieds von der Liebe. Wenn wir in uns hineinhorchen, dann wissen wir: Das Wesentliche ist die Liebe.

–          Wenn Menschen als Kinder wenig Liebe erfahren haben, bleiben dunkle Flecken in ihrer Seele. Was unser Leben trägt, ist die Liebe.

–          Vielleicht sind die Menschen, denen wir die Erfahrung der Liebe in unserem Leben verdanken, nicht mehr bei uns. Aber ihre Liebe trägt uns doch weiterhin.

–          Worte der Hoffnung und Ermutigung, die uns geprägt und begleitet haben – sie bleiben. Denn das Wesentliche bleibt.

Im Abschied, im Zeichen der Fußwaschung zeigt uns Jesus: Die Liebe und Fürsorge Gottes bleiben. Auch Verrat, Verleumdung, Versagen, Angst, Tod, Erschrecken, Trauer, das Zerbrechen der Hoffnung, das Verlöschen des Lichtes – sie löschen Gottes Liebe nicht aus. Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes! Auch durch das Rätselhafteste trägt Gottes Liebe hindurch. Das ist das Vermächtnis Jesu. Es gilt uns! Halten Sie an dieser Liebe fest und schneiden Sie sich nicht wie Judas davon ab.


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