/ Wort zum Tag

Verkehrte Welt

Christoph Wolf über Jesaja 5,20.

Bibelvers

Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen!

Jesaja 5,20

Auf den ersten Blick scheint das völlig unmöglich. Schließlich kann man doch eigentlich gut von böse unterscheiden. Licht und Finsternis kann man erst recht nicht verwechseln. Offenbar ist das aber mitunter nicht so eindeutig. Der Prophet Jesaja hat Menschen im Volk Gottes vor Augen, die die Kunst der Verdrehung meisterlich beherrschen. Es sind die Großen, die Einflussreichen. Die, die mit der Wahrheit jonglieren wie mit Tennisbällen. Die das Recht brechen und meisterliche Wortverdreher sind. Oft werden sie als Lebenskünstler bezeichnet und beneidet, weil sie es immer wieder schaffen, mit dem Rücken an die Wand zu kommen und als Gewinner dazustehen, koste es, was es wolle. Wenn es die Wahrheit kostet, oder das Recht, dann haben sie damit kein Problem. Es stimmt offenbar zu allen Zeiten: Der Ehrliche, der bei der Wahrheit bleibt und Gerechtigkeit als ein hohes Gut vertritt, ist der Dumme.

Auch wenn Menschen kein Problem damit haben, die Wahrheit zu verdrehen und Unrecht für Recht zu erklären, Gott hat damit ein Problem. Er steht für die Wahrheit. Er will Recht und Gerechtigkeit. Und deshalb ruft Jesaja über solche skrupellosen Menschen das „Wehe“ im Auftrag Gottes. „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten. Denn, was der Mensch säht, das wird er ernten!“ – Das schreibt der Apostel Paulus Jahrhunderte später an die Gemeinde in Galatien.

Jesaja selbst sieht in seiner Zeit als Prophet die Saat dieses Lebensstiles aufgehen. Das Nordreich Israel geht unter und Jerusalem wird durch die Assyrer belagert. Gott lässt sich nicht spotten. Er übersieht das Unrecht, die Lüge und den Missbrauch von Macht und Einfluss nicht. Er hat die Welt nicht nur geschaffen und überlässt sie dann ihrem Lauf. Er ist und bleibt der Herr der Welt und der Weltgeschichte.

Nicht nur Jesaja hat die sozialen Missstände im Volk angeprangert. Es war und ist zu allen Zeiten die Aufgabe der Menschen, die sich zu Gott als ihren Herrn bekennen, auf solche Missstände hinzuweisen und dagegen anzugehen. Auch heute wird oft genug die Wahrheit verdreht, werden Reiche auf Kosten der Armen immer reicher, sind soziale Missstände selbst in unserem reichen Land nicht zu übersehen. Wer die Augen davor verschließt, kann sich mit dieser Haltung nicht auf Gott berufen. Wer anprangert, wenn in Politik, Gesellschaft oder auch in der Kirche die Wahrheit verdreht wird, darf nicht mit viel Beifall rechnen. Es gehört Mut dazu, Böses böse zu nennen und Finsternis als Finsternis zu bezeichnen. Doch Gott wollte solche Klarstellung und Wahrhaftigkeit nicht nur von Jesaja und den anderen Propheten, er will es auch von uns Christen, als seinen Kindern heute.


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