/ Wort zum Tag

Eine neue Art Augen

Jutta Schierholz über Epheser 1,18

Bibelvers

Er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid.

Epheser 1,18

Es muss so in den Neunziger Jahren gewesen sein, da gab es diese 3D-Bilder. Das waren so Bilder, auf denen war erst mal nur ein buntes Muster zu sehen, ein Durcheinander aus Farben und Formen. Doch wenn man lange genug darauf starrte und wenn man auch ein bisschen den Trick raushatte, dann sah man plötzlich wie durch das Bild hindurch eine Figur oder eine Landschaft, irgendetwas, das man da gar nicht vermutet hatte. Es sah dann so aus, als ob das zweite Bild hinter dem ersten ist und als ob man in die Weite hineinblickt. Da war nach wie vor nur ein Blatt Papier mit einem Muster, aber es sah so aus, als ob es dahinter noch weitergeht.

Das war damals eine nette Spielerei und die Welle war dann auch ziemlich schnell wieder vorbei, als alle den Trick raus hatten und das große Staunen vorbei war. Aber mich erinnern diese Bilder an das, von dem Paulus hier schreibt: „erleuchtete Augen des Herzens“. Es geht hier um eine neue Art des Sehens. Eine, die nicht mit den eigentlichen Augen geschieht, sondern mit dem Herzen. Was kann damit gemeint sein?

Paulus spricht von der Hoffnung, zu der Christen berufen sind. Für Christen ist diese Welt, die uns tagtäglich vor Augen steht, noch nicht alles. Sondern Gott hat ein Ziel mit dieser Welt, eine Absicht, die er ausführt, nämlich dass am Ende Jesus wiederkommen und alle Dinge neu machen wird. Das ist die ganz große Hoffnung der Christen: dass am Ende alles gut wird, dass eines Tages alles vollkommen und heil und ganz sein wird. Das ist auch jetzt schon immer wieder im Kleinen erfahrbar, wenn sich zum Beispiel mitten in ausweglosen Situationen doch immer wieder Türen auftun oder sich Dinge unverhofft und unverdient zum Guten wenden. Das sind kleine Vorboten der ganz großen Hoffnung, auf die Christen hinleben.

Und um diese Hoffnung zu sehen, braucht es eine neue Art Augen. Das wusste vermutlich keiner besser als Paulus. Denn als Paulus diesen Vers im Epheserbrief schreibt, sitzt er gerade in Rom gefangen und kann sich nicht frei bewegen. Durch seine Gefängnismauern kann Paulus nicht hindurchblicken, nicht mit seinen „normalen“ Augen. Wenn er nur diese gehabt hätte, wäre er damals vermutlich an seiner Lage verzweifelt, denke ich.

Aber er kennt noch eine andere Art von Augen, nämlich solche, die auch durch solche Mauern hindurchblicken können. Es sind die von Gott erleuchteten Augen des Herzens, die nicht nur wissen, dass dahinter noch mehr ist, sondern die es irgendwie sogar sehen können. Dahinter ist noch mehr. Da geht es weiter. Und es wird gut, es wird schön. Paulus wusste das. Und er wusste auch, dass es die Christen in Ephesus hören müssen. Die hatten es in ihrer Stadt auch nicht einfach, in der sie wegen ihres Glaubens ständig Anfeindungen aller Art ausgesetzt waren. Paulus bittet Gott, dass er den Christen in dieser Situation Augen gibt, damit sie über die schwierige Gegenwart hinaus auf das sehen, was dahinter liegt.

Wer braucht diese erleuchteten Augen heute? Für wen könnte ich beten, dass er sie bekommt? Wem könnte ich helfen, so sehen zu lernen, dass er durch Mauern hindurchblicken kann? Das ist kein billiger Trick wie die 3D-Bilder, sondern das ist die Realität, was da zu sehen ist.


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