/ Wort zum Tag

Weihnachtsglaube

Bibelvers

Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.

Psalm 116,10

Heute ist es wieder soweit. Heilig Abend. Für viele einer der Höhepunkte des Jahres. Denn es ist eben doch so: Es gibt die fröhliche Zusammenkunft der Familie, gespannt erwartete Geschenke, besonderes Essen. Und bei vielen gibt es auch die Erinnerung an das, was Weihnachten wirklich ausmacht: Die Geburt Jesu Christi, die Weihnachtsgeschichte, die Weihnachtslieder und der Gottesdienstbesuch. Wenn ich in unserer Gemeinde die vielen Besucher nach der Christvesper verabschiede, wenn wir uns Frohe Weihnachten! wünschen, dann schaue ich meistens in sehr positiv gestimmte Gesichter. Da macht Glauben Spaß. Da fällt es leicht, gläubig zu sein. Da spüren scheinbar viele Menschen etwas von Gott und seiner Nähe.

Andere Menschen aber empfinden an Heilig Abend die Lasten ihres Lebens besonders schwer. Und das Jahr über läuft es bei uns allen ja nicht nur positiv. Im Gegenteil. Trotz Glauben geht es manchen Menschen - und gerade auch Christen- verzweifelt schlecht. In dem für heute ausgelosten Bibelwort sagt einer genau das. Er ist gläubig, und es geht ihm in diesem Moment richtig dreckig. Er sagt: „Ich werde sehr geplagt.“ Andere übersetzen: Ich werde gedemütigt oder tief gebeugt oder Es steht elend um mich.

„Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.“ Das ist scheinbar kein schönes, erbauliches Bibelwort für den heutigen Festtag. Aber es passt genau. Es passt nach Syrien und in die Flüchtlingsheime. Es passt zu den total widrigen und armseligen Verhältnissen der Geburt Jesu. Und es passt dazu, dass unser Glaube an dieses Jesus-Kind manchmal mehr von Krisen und Schmerzen gezeichnet ist als von Wohlgefühl und Begeisterung. Auch wenn viele Christen das nicht gerne hören wollen.

Gerade an Weihnachten sollten wir das im Blick haben: Die Gemeinschaft mit Gott und seine Nähe sind eben nicht nur da, wo Erfolge und wunderbare Gebetserhörungen erlebt werden. Wem es um starke Glaubens-Emotionen geht, der sollte auch von den Tränen der Einsamkeit und der Bitternis der Seelenabstürze reden. Ja, am Heiligen Abend wird kräftig gelobpreist. Die Engel machen das. Aber Maria und Josef und das Jesuskind sind ziemlich schlecht dran. Und doch ist gerade bei ihnen Gott zum Greifen nahe. „Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.“

Das sollten wir unbedingt festhalten. Eben: glauben! Das ist tragfähiger, echter Glaube. Glaube trotz widriger Umstände. Weihnachtsglaube. Wen am Heiligen Abend die Enttäuschungen und Ängste seines Lebens anfallen, der ist ganz nah dran. Der hat Jesus, den Gottessohn in der Krippe, ganz an seiner Seite. Da ändert sich vielleicht nichts an seinem äußeren Schicksal. Aber das Jesus-Kind in den mühseligen und geplagten Verhältnissen beweist es unwiderlegbar: Meine Plagen und Mühen sind nicht das Letzte. Gott schaut nach mir. Ich kann begründet auf bessere Zeiten hoffen. Gott will mich in unauflöslicher Gemeinschaft bei sich haben. Das Kind in der Krippe wird der Mann vom Kreuz. Der opfert sich an unserer Stelle. Es wird gut ausgehen mit mir. Und sei es erst in Gottes neuer Welt. Ich kriege von ihm diese Gewissheit. Ich kriege Kraft zum Tragen. Ich halte durch. Ich halte fest an Jesus. Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.

In diesem Sinne: gesegneten Heilig Abend heute und frohe Weihnachten!

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