/ Wort zum Tag

Szenen einer Ehekrise

Wolfgang Buck über Hebräer 10,23

Bibelvers

Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat.

Hebräer 10,23

So spricht der HERR: Ich gedenke der Treue deiner Jugend und der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in der Wüste, im Lande, da man nicht sät.

Jeremia 2,2

Der Prophet Jeremia ist nicht zu beneiden. Gleich nach seiner Berufung muss er als junger Mann seinem Volk eine saftige Bußpredigt halten. Denn das Gottesvolk hat seinen Gott vergessen und gegen die scheinbar viel attraktiveren Götzen ihrer Umwelt eingetauscht. Es sind Naturgottheiten, die man mit Zeugung und Geburt, Regen und Fruchtbarkeit in Verbindung bringt. Diese Götter scheinen mit dem Alltag mehr zu tun zu haben als ein Gott, der sein Volk vor langen Zeiten mal aus Ägypten geführt hat.

Natürlich bleiben der Auszug aus Ägypten, der Durchzug durchs Meer und die lange Wüstenwanderung Urerfahrungen Israels, die offiziell Jahr für Jahr zelebriert werden. Aber das Geschehen selbst ist lange her. Das heißt: Auch ganz elementare Glaubenserfahrungen können verblassen und ihre Bedeutung verlieren, wenn sie nur noch äußerlich zelebriert werden.

Deshalb erinnert Gott sein Volk an die Anfangszeit, und er tut das sehr emotional, er spielt jetzt den Ehemann, dem die Frau davongelaufen ist. Er erinnert an die Liebe von damals, als sie noch Braut und Bräutigam waren und miteinander glücklich waren. Und das trotz widriger Umstände: „in der Wüste, im Lande, da man nicht sät.“ Also wie bei jung verliebten, denen die materiellen Umstände egal sind – Hauptsache, sie sind zusammen.

Das kommt mir sehr bekannt vor. Auch wir, meine Frau und ich, haben damals vor 45 Jahren ganz bescheiden angefangen. Aber es war irgendwie eine schöne Zeit, und wir sagen bis heute immer mal wieder: Weißt du noch, damals in Marburg…“

An solche Gefühle erinnert Gott in unserem Bibelwort und fragt in den folgenden Versen immer bohrender: Warum bist du eigentlich davongelaufen? Habe ich etwas falsch gemacht, und wenn ja, was? – Szenen einer Ehekrise.

Ich frage Ehepaare, die in einer Krise sind, manchmal, wie sie sich kennengelernt haben und was sie damals füreinander empfunden haben. Wenn ich Glück habe, dann erzählen sie, oft mit leuchtenden Augen, wie es damals war. Aber das sei ja jetzt vorbei. – Warum eigentlich?

So ähnlich macht es hier auch Gott mit seinem Volk. Er beschreibt die erste Liebe von damals, um mit diesen Erinnerungen eine neue Orientierung im Heute zu erreichen. Ob es was bringt? Damals leider nicht. Wie bei manchen Eheleuten, die sich trotz positiver Erinnerungen nicht dazu durchringen können oder wollen, neu miteinander anzufangen. Einfach tragisch.

Aber vielleicht auch nur typisch menschlich. Irgendwie tragen wir einen Hang zur Selbstzerstörung in uns. Vielleicht ist das auch eine Spielart der Sünde. Oder ist es nur Stolz? Umzukehren wäre ja Schwäche, dann müsste ich ja zugeben, dass ich mich verlaufen habe. Will ich nicht. Lieber stark erscheinen und geradlinig – ins Verderben laufen.

Bei Jeremia endet die Geschichte wirklich schlimm. Jerusalem wird zerstört, das Volk nach Babel weggeführt. Ende. Aus. Wie gut, dass aber auch andere Möglichkeiten in der Bibel beschrieben werden: Umkehr, Rückbesinnung, Neuanfang, Versöhnung. Die Geschichte, die Jeremia miterlebt, muss sich nicht endlos wiederholen. Dafür ist Jesus gekommen, und davon redet das NT fast auf jeder Seite. Geradezu klassisch fast es der Apostel Johannes im hohen Alter so zusammen: Wenn wir aber unsere Sünde bekennen, ist er treu und gerecht, und vergibt uns die Sünden und macht uns rein von aller Ungerechtigkeit. (1.Joh.1,9)


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