/ Wort zum Tag

Gott macht neu

Bibelvers

Groß und einzigartig ist die geheimnisvolle Wahrheit unseres Glaubens: In der Welt erschienen als schwacher Mensch, im Himmel in seiner göttlichen Würde bestätigt – so wurde Christus den Engeln gezeigt und den Völkern der Erde verkündet. Überall in der Welt fand er Glauben, und im Himmel erhielt er die höchste Ehre.

1. Timotheus 3,16

Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es aufgeht, lasse ich’s euch hören.

Jesaja 42,9

Auf den ersten Blick ist eigentlich alles klar. Das passt zu einem richtigen Propheten: Was er früher einmal vorausgesagt hat, ist eingetroffen, also wird wohl auch in Zukunft alles eintreffen, was er heute ankündigt. Fertig. Alles klar. Schade, wenn wir die Bibel nur so vordergründig lesen. Tun wir aber heute nicht, sondern schauen mal etwas genauer hin:

Ab Jesaja 40 finden wir einen spannenden Zusammenhang vor. Es sind Worte des Propheten an die Leute, die nach Babel weggeführt worden sind. 587 v.Ch. fand ja die große Katastrophe für Jerusalem und die Umgebung statt. Der babylonische König Nebukadnezar eroberte die Stadt und ließ die Oberschicht – das waren z.B. alle, die lesen und schreiben konnten – nach Babel bringen. Und dort waren sie nun schon einige Jahrzehnte. Sie lebten mitten in einer damaligen Weltmacht – sie sahen den Prunk der Prachtstraßen, sie erlebten die mächtigen Prozessionen zu Ehren der babylonischen Götter  - was bedeutete dann schon der offensichtlich hilflose Gott ihrer Väter?

Aber genau dieser hilflos erscheinende Gott schmiedet schon lange seine Rettungspläne für das Volk – und lässt es durch den Propheten verkünden: Eure Gefangenschaft ist bald zu Ende. Ihr dürft wieder heim.

Geht doch gar nicht – ist die Reaktion der Leute. Gott hat uns doch schon lange vergessen. „Mein Recht geht vor meinem Gott vorüber“, heißt es in  Kapitel 40,27 so schön im Lutherdeutsch.

Und so bedient sich Gott durch seinen Propheten eines ganz besonderen Stilmittels: Es geht um eine Diskussion und einen  nur gedachten Rechtsstreit zwischen Gott und den babylonischen Götzen. Immer wieder in den Kapiteln 40 – 55 des Jesajabuches begegnen wir dieser Diskussion: Was sind denn die babylonischen Götter?! Stumme Holzklötze!

Richtig bissig wird es dann in Kapitel 44: Da geht jemand in den Wald und fällt einen Baum. Die eine Hälfte verbrennt er mit Feuer, auf ihr brät er Fleisch und isst den Braten und sättigt sich, wärmt sich auch und spricht: Ah, ich bin warm geworden, ich spüre das Feuer. Aber die andere Hälfte macht er zum Gott, dass es sein Götze sei, vor dem er kniet und niederfällt und betet und spricht: Errette mich, denn du bist mein Gott.“ (V 16-17)

Die stummen Götzen reden nicht, sie kündigen nichts an, sie sind – Holzklötze. Und genau in diese Argumentation zwischen Gott und den Götzen gehört unser heutiges Wort aus Kapitel 42: Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es aufgeht, lasse ich's euch hören.

So argumentiert Gott. Er ist lebendig, hellwach und gestaltet die Geschichte. Er hat die Wegführung nach Babel durch den Propheten Jeremia ankündigen lassen – als drastische Strafe für ihre Gottlosigkeit.

Und er lässt jetzt die Rückkehr ankündigen – aber in beiden Fällen treffen die Worte Gottes auf taube Ohren. In den Texten von Jesaja 40-55 steigert sich Gott geradezu in eine Verheißungskette hinein, die immer großartiger wird. Unablässig heißt es: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, ich bringe dich durch Feuer und Wasser nachhause, dir wird nichts und niemand schaden können...

Aber die Leute denken: Zu schön, um wahr zu sein. Geht doch nicht.

Und wie ging die Geschichte aus? Kapitel 45 deutet es an. Gott erweckt eine neue Großmacht, Persien. König Kyros nimmt 539 v.Chr. über Nacht Babel ein, kampflos, weil die Priesterschaft schon übergelaufen war und heimlich die Stadttore öffnet.

Das war die Wende von damals. Und kurz darauf erlässt Kyros sein berühmtes Edikt: Ihr Juden dürft nachhause. Keiner hatte es geglaubt. Aber Gott hatte es angekündigt – und durchgezogen. Davon redet unser heutiger Text wirklich.

Irgendwie kommt uns das doch sehr bekannt vor. Auch wir Deutschen haben eine Wende hinter uns, die ohne Blutvergießen verlief. Und keiner hatte wirklich damit gerechnet. Gott macht Geschichte – und wir dürfen dankbar staunend dabei sein. Gott sei Dank!

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