/ Wort zum Tag

Gott gibt sein Volk nicht auf

Bibelvers

So spricht der HERR: Gleichwie ich über dies Volk all dies große Unheil habe kommen lassen, so will ich auch alles Gute über sie kommen lassen, das ich ihnen zugesagt habe.

Jeremia 32,42

Wenn Du denkst es geht nicht mehr,
kommt irgendwo ein Lichtlein her.
Wird zeigen Dir den Weg zurück,
den Weg zu einem neuen Glück.
Und mit Willen, Kraft und Mut,
wird dann alles wieder gut
(Autor: © Roswitha Rudzinski – Internet)

Dieser Spruch ist manchen vertraut. Er soll Mut machen angesichts widriger Umstände in meinem Leben, dass es doch – irgendwann – auch wieder andere Tage geben wird. So schön, wie dieser Reim klingt und seinen Eingang wahrscheinlich in unzählige Poesiealben oder auf Grußkarten gefunden hat – zuletzt ist es doch eine sehr vage, eine ganz und gar unkonkrete Hoffnung. Eine Hoffnung, die mich nie und nimmer tragen kann, wo ich mich tatsächlich gerade im „dunklen Tal“ befinde.

Der Bibelvers aus dem Jeremia-Buch klingt da völlig anders: „So spricht der HERR: Gleichwie ich über dies Volk all dies große Unheil habe kommen lassen, so will ich auch alles Gute über sie kommen lassen, das ich ihnen zugesagt habe.“ (Jeremia 32,42)

Wenn ich diesen Satz so lese, laufe ich sofort Gefahr, das Wesentliche daran zu überlesen. Denn Blick und Ohr bleiben zu gerne hängen an diesem Gedanken, dass Gott auch das Unheil im Leben kommen lässt. Das lässt mich aufbegehren, mit was für einem Gott ich denn da zu tun habe. Der auch das Unheil in meinem Leben plant?

Das Wesentliche aber steht doch vielmehr noch vorne an: „So spricht der HERR…“. Dieses Wort richtet Gott durch den Propheten Jeremia an sein Volk. Ja, dies Volk hatte große Schuld auf sich geladen. Es hatte wieder und wieder nicht auf Gottes Rufen und Locken gehört. Schließlich blieb Gott keine andere Wahl, als durch das Gericht hindurch zu seinem Volk zu reden.

Dies sah dann so aus: Äußerlich befand es sich in absolut auswegloser Lage. Die Hauptstadt Jerusalem belagert; der Rest des verbliebenen Landes längst unter der Fremdherrschaft. An eine hoffnungsvolle Zukunft war nicht mehr zu denken. Ihnen allen drohte mindestens die Vertreibung, wenn nicht gleich der Tod. Von Gottes ehemaliger Verheißung an dieses Volk würde nicht einmal mehr ein Stäubchen übrig bleiben. Israel wird ausradiert werden von der Landkarte. Gottes Geschichte also am Ende. In diese Gefühlslage totaler Hoffnungslosigkeit ergeht dann diese Ansage: „So spricht Jahwe, der HERR…“.

Gott kommt mit seinem Retter-Namen auf dies Volk zu, das sich so verlassen sieht. Der Name Gottes steht für sein ganzes Wesen. Steht für alles, was er in der Geschichte an sein Volk gewandt hatte. Dass es dieses Volk überhaupt gibt, ist Folge seiner Verheißung an Abraham. Dass dieses Volk noch immer besteht, ist Frucht nicht nur einer großartigen Rettungstat Gottes.

Dass dieser Herr jetzt sein Volk in dieser ausweglosen Lage anspricht, zeigt unübersehbar: Er hat sein Volk nicht aufgegeben. Das Schicksal seines Volkes geht ihn weiterhin unmittelbar an. Er hält an ihm fest. Gottes Macht ist nicht am Ende, wie es scheint. Noch mehr: was immer geschieht ist nicht einfach ein Produkt des Zufalls oder Ergebnis eines Streits, wer der Stärkere ist. Die ganze Geschichte der Menschheit im Großen, wie auch mein Ergehen im Kleinen, geschieht vielmehr unter dem Auge dieses Herrn.

Selbst, wo es Tage sind, die mir nicht gefallen wollen – wo mir Dinge widerfahren, auf die ich nur zu gerne verzichtet hätte – er bleibt der Herr. Er hat alles und darum auch mich im Blick.

Es war eine damals deutliche Ansage an das Volk, dass es sein aktuell schweres Schicksal dem Gericht Gottes zu verdanken hatte. Das kann ich so unmöglich heute jemandem ansagen, dem es schlecht geht. Ich bin aber überzeugt: Es steht wohl in Gottes Macht, mir die Hintergründe meines gegenwärtigen Erlebens aufzudecken, wenn er es für richtig hält. Aber ich kann und will mich stets daran halten, was dieser Prophetenspruch von damals im Kern bedeutet: Mein Gott hat alles und darum auch mich im Blick. Und das Erstaunliche: Er hat eine Zukunft für seine Welt, seine Gemeinde und auch für mich im Auge, die er verwirklichen wird.

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