/ Wort zum Tag

Eine Frage der Zuneigung

Bibelvers

Der HERR, unser Gott, neige unser Herz zu ihm, dass wir wandeln in allen seinen Wegen.

1. Könige 8,58

Haben Sie auch Orte, die ihnen besonders wichtig und bedeutsam sind? Die ihnen vielleicht sogar „heilig“ sind? – Das kann der Ort sein, an dem Sie sich in einen anderen Menschen verliebt haben. Das kann ein Ort sein, an dem Sie etwas Schönes, Wichtiges und vielleicht sogar Entscheidendes erlebt haben. Das kann ein Ort sein, an dem Sie zur Ruhe kommen und innerlich auftanken, neue Kraft schöpfen.

Die Israeliten hatten solch einen wichtigen, bedeutsamen und heiligen Ort. Das war der Tempel in Jerusalem. Für sie war es der Ort, an dem ihnen Gott begegnete. Der Ort, an dem ihnen Gott nahe war. Der Ort, an dem sie Gottesdienste feierten, Gott anbeteten und ihm Opfer brachten. Der Ort, der für sie wie eine Garantie war: Gott wird uns beschützen, uns kann nichts geschehen.

„Der Herr, unser Gott, neige unser Herz zu ihm, dass wir wandeln in allen seinen Wegen.“ Der Bibelvers aus dem 1. Königebuch nimmt uns mit in die Anfangszeit des Tempels – in die Mitte des 10. vorchristlichen Jahrhunderts. Israel feiert ein großes Fest. Nein – kein lustiges Volksfest, keine Fußball-Europa- oder Weltmeisterschaft, keine Olympischen Spiele, kein Musik-Festival. Israel feiert die Einweihung des Tempels in Jerusalem. Er ist zur Zeit des großen und weisen Königs Salomo gebaut worden. Der König selbst spricht das Gebet zur Einweihung des Tempels und wendet sich danach an das versammelte Volk. Er segnet es und wünscht: „Der Herr, unser Gott, neige unser Herz zu ihm, dass wir wandeln in allen seinen Wegen.“

Es geht um Zu-Neigung. Salomo wünscht diese Zuneigung nicht für sich selbst. Er wünscht nicht, dass das Volk ihm zujubelt, ihn verehrt, weil er ein „so sympathischer“ König ist. Es geht ihm darum, dass die Israeliten - und er selbst natürlich auch - dem lebendigen Gott „zugeneigt“ sind. Dem Gott, der ihnen immer wieder geholfen hatte in ihrer langen Geschichte. Der sie in schwierigen Zeiten und gefährlichen Situationen bewahrt hatte und dem sie das Überleben verdankten. Dem Gott, der gezeigt hatte, dass er dem Volk Israel gegenüber treu und verlässlich war. Diesem Gott sollen sich die Herzen der Menschen „zu-neigen“. 

Zuneigung – wir sagen meist: Sympathie – ist ja das liebevolle, freundschaftliche Empfinden gegenüber einem Anderen. Zuneigung ist etwas Gutes. Zuneigung ist angenehm. Angenehmer jedenfalls als Ablehnung. Dabei geht es offen-sichtlich um mehr, als nur ein gutes Gefühl zu haben. Die ZuNeigung findet ihren sichtbaren Ausdruck in einer bestimmten „Lebens-Richtung“ bzw. „Lebens-Haltung“. „Der Herr, unser Gott, neige unser Herz zu ihm, dass wir wandeln in allen seinen Wegen.“

Was sind denn das nun für Wege? Wie kann man sie finden? Wo führen sie hin? Der lebendige Gott hat seinem Volk Israel die 10 Gebote als „Navigationshilfe“ für das Leben geschenkt. Er hat immer wieder Propheten zu ihnen gesandt, um sie vor Irrwegen und Sackgassen zu bewahren. Er ist nicht müde geworden, zu einem Leben des Vertrauens ihm gegenüber einzuladen. Ein Leben, das von der Liebe Gott und dem Nächsten gegenüber bestimmt sein soll. Und Gott erlebte es mit, dass die Israeliten andere Wege gegangen sind, sich von ihm abgewendet haben, nicht mehr nach ihm gefragt haben. Und die Israeliten erlebten viel später, wie der Tempel zerstört wurde.

Gott braucht unsere Zuneigung nicht, aber er wünscht sie sich. Damals wie heute. In Jesus Christus hat er uns gezeigt, wie sehr er uns liebt. Und Jesus Christus hat versprochen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende!“ Darum brauchen wir heute den Tempel nicht mehr. Wir erfahren Gottes Gegenwart und Nähe durch Jesus in der Gemeinschaft mit denen, die an ihn glauben und ihm nachfolgen. Und in dieser Gemeinschaft wird mir im Hören auf das biblische Wort auch immer wieder gezeigt, welche Wege Gottes Wege sind. So kann auch ich nur immer wieder beten und bitten: „Herr, neige mein Herz zu dir, dass ich deine Wege gehe!“

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