/ Wort zum Tag

Gott lässt sich nicht von Menschenhänden dienen

Bärbel Wilde über Apostelgeschichte 17,25.

Bibelvers

Gott lässt sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.

Apostelgeschichte 17,25

Während meines Studiums trampte ich mit einer Freundin Richtung Israel. Ich werde nie vergessen, wie wir erstmal in Athen ankamen. Wir standen auf dem Areopag, dem Felsen nordwestlich der Akropolis. Dort hielt Paulus vor fast 2000 Jahren eine Rede. Meine Freundin stand da mit ausgebreiteten Armen. Hinter ihr die steinernen Zeugen der großen Geschichte: Tempel und Altäre. Und sie rief: "Andres athenaoi" "Ihr Männer von Athen". Als sie die griechischen Worte gebrauchte, durchfuhr es mich: Hier ist es gewesen. Hier war Paulus auf seiner Missionsreise. Wie ein Tourist. Diese eigentümliche Welt von Tempeln hatte er sich angesehen – “an irgendetwas muss man ja glauben” – Naja, sagen manche heute, zumindest an ein höheres Wesen. Irgendetwas Göttliches wird es wohl geben.

Athen ist der Hort der Philosophie. Interessiert an Neuem. Und Götter gab es jede Menge. Aus Angst, bei der Verehrung einen ganz wichtigen zu vergessen und damit dessen Zorn auf sich zu ziehen, gab es extra einen Altar für den unbekannten Gott. Am Anfang sagte Paulus den Zuhörern Dinge, die ihnen sehr entgegenkamen. Angesichts der Akropolis sprach er von den vielen Göttern, die sie verehrten. Dann verkündigte er ihnen den für sie bisher unbekannten Gott. Er sprach von dem Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist. Er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.

Daran knüpft der Lehrtext für diesen Tag an: "Gott lässt sich nicht von Menschenhänden dienen, wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt." Da hörten Sie von einem Gott, der nicht auf prachtvolle Tempel und Opfergaben angewiesen ist. Keiner, den man sich freundlich gesonnen stimmen muss, indem man ihm huldigt und verwöhnt. Der Gott, den Paulus verkündigte, ist der, der uns Menschen versorgt. Er ist der, dem wir unser Leben verdanken. Er gibt uns, was wir nötig haben – und nicht umgekehrt.

In Gedanken stehe ich mit der Menschenmenge damals auf dem Marktplatz in Athen. Aber Paulus ist noch nicht am Ende seiner Rede. Er redet von dem Gericht und von der Auferstehung der Toten. Der Glaube an irgendetwas Göttliches ist für ihn nutzlos, wird keinen Bestand haben an der Grenze zum Tod. Er redet von dem, der durch Gott von den Toten auferweckt wurde: Jesus Christus. Für die meisten Zuhörer ist das zu viel. An diesem Punkt können Sie nicht mehr mit. Sie flüchten sich in Spott oder Ablehnung. Andere sind interessiert, mehr zu erfahren. An Jesus scheiden sich die Geister.

Für einige ist die Rede des Paulus der Beginn ihres Glaubens an den für sie bisher unbekannten Jesus Christus. Zwei von ihnen werden in der Apostelgeschichte namentlich genannt: Dionysius und Damaris.

Damals in Athen lasen meine Freundin und ich die Rede des Paulus. Da war für mich klar: Mit so viel Mut und Einfühlungsvermögen möchte ich auch Menschen zu Jesus Christus einladen. Mit ihm will ich leben. Er bedarf nicht meiner, aber ich brauche ihn. Wer Jesus hat, hat alles, auch wenn er nichts hätte. Und wer Jesus nicht hat, hat nichts auch wenn er alles hätte.


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