/ Wort zum Tag

Wachet, steht im Glauben

Renate Schmidt über 1. Korinther 16,13

Ermutigende Sätze zum Schluss des ersten Korintherbriefes: „Nutze die Kraft, die dir zur Verfügung steht!“ Als Morgenmuffel sage ich manchmal eher: „Heute ist nicht mein Tag!“ Aber vielleicht ist es ja Gottes Tag? Und manchmal erwarte ich gar nichts und verpasse das Beste. Zum Beispiel bei einem Geburtstags-Abendessen in der Familie meines Mannes – seine beiden Brüder wohnen gleich nebenan - : oft wäre ich lieber zuhause auf der Couch, aber natürlich gehe ich hin, Familie ist mir wichtig. Erwarten tu ich eigentlich nicht viel mehr, als dass der Abend vorbeigeht. Dabei mache ich gute Erfahrungen damit, wenn ich vor so einer Einladung schon überlegt habe: „Wer kommt da, was könnte ich diese oder jenen fragen? Z.B. „Du, wie geht es Dir eigentlich?“ – das reicht schon als Frage! Manchmal waren wir plötzlich in einem spannenden Gespräch, manchmal sogar über den Glauben. Ich möchte wach sein für solche Gelegenheiten.

Ich gebe zu: man kann nicht immer so „wach“ sein, „auf Zack“ sein. Gott erwartet z.B. nicht, dass ich meinen Schlaf auf vier Stunden reduziere, um mehr für ihn tun zu können… So hat es ein Kollege mal versucht, er hörte, man könnte das, und er wollte gerne noch viel mehr tun! – dafür schlief er dann in Sitzungen ein… Nein, Gott schenkt die Pausen, das Schlafen, so wie das Wachsein. Ich muss meine Kräfte nicht überfordern. Ich soll keinen Raubbau treiben mit meinem Körper. Er ist nicht nur zum An- und Ausschalten da. Ich hab da manchmal Probleme, Wachen und Schlafen zu unterscheiden: heute würde man sagen: eine gute „Work-life-Balance“ zu finden; denn die ist nicht bei jedem gleich. Der eine erholt sich schneller als der andere, der mehr Zeit zum Verarbeiten braucht. Der eine genießt es, zwei Stunden lang in der Badewanne zu liegen und dabei zu lesen, ab und zu heißes Wasser dazu laufen zu lassen. Für mich wäre das ein Graus! Aber ich genieße einen kurzen Mittagsschlaf, und ich genieße die Viertelstunde Autofahrt von der Arbeitsstelle nach Hause; da kann ich gut nachdenken und beten und die Dinge ablegen.

Wie hat Jesus das gemacht? Bei einem Sturm auf See finden seine Freunde ihn im  Tiefschlaf. Sogar von einem Kissen wird berichtet! Er weiß sich so geborgen in den Armen seines Vaters. Aber in der Nacht vor seinem Tod schläft er nicht, da braucht er eine andere Kraft: er bittet seine Freunde: „Bleibt hier und wacht mit mir!“ Er geht ein bisschen seitab und betet, und nach einer Weile findet er seine Jünger schlafend. Und da ermahnt er sie: „Wacht und betet!“ Drei Anläufe braucht er in seinem Beten, bis er sich durchgerungen hat, ganz dasselbe zu wollen wie sein Vater „Dein Wille geschehe!“ – aber dann ist er auch bereit: und er geht den Soldaten sogar entgegen: mutig, stark, wachsam. Sie müssen ihn nicht überrumpeln: er ist da und stellt sich.

Wann ist Wachsein dran und wann ist Schlafen dran? Das wüsste ich gerne noch besser! Aber ich vertraue darauf, dass Gott mich erinnern wird. ER schläft und schlummert nicht – er passt gut auf mich auf.

„Steht im Glauben“ – eigentlich mag ich diesen Ausdruck gar nicht: nein, lieber „vorangehen im Glauben“; „stehen“ klingt für mich ungeduldigen Menschen langweilig…  Aber ich merke: manchmal reicht es auch aus, nur hinzustehen. „Dazu stehe ich!“ – ich halte an meinem Glauben fest. Manchmal ist es dann auch dran, im Glauben voranzugehen, den nächsten Schritt zu gehen, und dann den übernächsten Schritt – und am Ende ist es ein Weg geworden!

Was ist heute für mich dran: Hinzustehen und einfach fest zu bleiben oder einen Schritt voranzugehen?


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