/ Wort zum Tag

Wer mich liebt, der wird mein Wort halten

Lothar Podszus über Johannes 14,23

Bibelvers

Jesus sprach: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

Johannes 14,23

In einem Glaubenskurs stellte ich den Teilnehmern die Frage: „Was ist Glaube?“ In kleinen Murmelgruppen sollte sich jeder mit seinen Tischnachbarn darüber austauschen. Schließlich bat ich darum, mir das Ergebnis der angeregten Besprechung mitzuteilen. Eine Teilnehmerin meldete sich etwas zögernd und gab dann mit fragendem Blick die Antwort: „Liebe“.

Ich war ein paar Sekunden geneigt, ihr zu widersprechen und ihr zu sagen: „Eine schöne Antwort, aber nun wollen wir mal nicht alle Begriffe durcheinanderbringen.“ Doch sehr schnell habe ich mich eines Besseren besonnen. Und je mehr ich darüber nachdenke, muss ich sagen: Hat sie nicht recht mit dieser Antwort? Reißen wir nicht immer wieder künstlich auseinander, was von Anbeginn an eine Einheit war, um dann mühsam zu verdeutlichen, dass beides doch irgendwie zusammengehört?

Dietrich Bonhoeffer hat einmal sagt: „Wir Deutschen denken so gerne über den Glauben nach, dass wir das Nachdenken über den Glauben bereits für Glauben selbst halten.“ Glaube ist wie die Liebe Herzenssache. Er entsteht genau wie die Liebe – durch Liebe, nur durch Liebe. In einem schönen Lied heißt es: „Einer hat mich angesteckt, durch das Feuer der Liebe.“

Da klingt es fast ein wenig nüchtern, wenn Jesus sagt: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“ Doch ich glaube, wir hätten Jesus gründlich missverstanden, wenn wir daraus eine Kette von „Vorbedingungen“ und „Folgerungen“ machen, an deren Ende er dann endlich in unser Herz beziehungsweise in das „Haus unseres Lebens“ einziehen und Wohnung bei uns nehmen kann.

Ich denke, wir würden den Sinn des Satzes sogar besser treffen, wenn wir ihn vom Ende her verstehen: Wo Jesus durch den Heiligen Geist in einem Menschen Wohnung genommen hat, da entfaltet sich das Feuer der Liebe und breitet sich aus - in jeder Beziehung und in jede Richtung.

Das „Halten seines Wortes“, von dem Jesus spricht, ist dann weder anzumahnende Vorbedingung noch einzufordernde Konsequenz. Es ergibt sich wie von selbst, so wie es für Liebende keine Pflicht ist, sondern Freude, immer wieder neu zu erspüren, wie ihre Liebe im Alltag konkret werden kann. Eine schöne Definition von Lieben heißt, „dem andern helfen, dass er sich entfalten kann.“ Ich finde, das lässt sich auch auf Gott übertragen, und das gilt auch von Jesus, wenn er denn wirklich bei uns „Wohnung nehmen“ soll.

Wenn unser Herz besetzt ist von Unrast und Sorgen des Lebens, dann lassen wir  Jesus wenig Entfaltungsspielraum. Wenn unser Herz angefüllt ist mit Pflichten und Terminen, dann kann  Jesus nicht wirklich Wohnung bei uns nehmen. Lieben heißt: „dem andern helfen, dass er sich entfalten kann.“ Ja, das gilt auch von Jesus.

Er möchte, dass wir „achtsam“ leben vor Gott, in all unserm „Tun“ und in all unserm „Lassen“, in steter innerer Zwiesprache mit ihm, wie es nur Liebende miteinander tun. So kann  Jesus sich in uns „entfalten“, und so können auch wir uns neu „entfalten“ und neu „aufblühen“ zu einem Leben, in dem Glaube und Liebe eine Einheit sind.


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