/ Wort zum Tag

Fürchte dich nicht, glaube nur!

Dorothee Döbler über Markus 5,41-42

Bibelvers

Jesus ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihm: Talita kum! – das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Und sogleich stand das Mädchen auf und ging umher.

Markus 5,41–42

Ich kann mich noch genau an den Abend erinnern, als meine Freundin anrief. Ihre Tochter klagte seit Wochen über Kopfschmerzen, und sie hatte sich gründlich untersuchen lassen. Jetzt war der Befund da: Ein Gehirntumor, bösartig und inoperabel. Wie ein Paukenschlag kam diese Diagnose. Und von einem Tag zum anderen war nichts mehr, wie es war. Unzählige Untersuchungen wurden gemacht, dann die Bestrahlung mit all ihren Nebenwirkungen. Ein Auf und Ab von Besserung und Rückfällen, Strapazen bis an den Rand dessen, was man aushalten kann.

Meine Freundin und ihr Mann sind Christen. Jeden Tag haben sie zu Gott gebetet, dass er ihr Kind wieder gesund macht. Die Freunde, die Menschen aus ihrer Kirchengemeinde haben oft mit ihnen gebetet, so wie ich auch. Es war so schwer zu sehen, was dieses kleine Menschenkind durchmachen musste! Wenn ich schon so litt, wie muss dann erst meine Freundin gelitten haben!

Wenn Eltern Todesängste um ihr Kind haben, leben sie in einem Ausnahmezustand. Markus erzählt in seinem Evangelium von einem Vater, der das auch durchmacht. In seiner großen Not wendet er sich an Jesus, ob er nicht mitkommen und nach seiner Tochter schauen könne. Doch schon auf dem Weg zurück zu seinem Haus kommen ihnen die Bediensteten entgegen. Es ist zu spät. Das Kind ist gestorben. Es ist aus. Aber Jesus spricht dem Vater Mut zu: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Und gemeinsam mit drei seiner Jünger geht er zu dem Haus, in dem die Klageweiber schon das Totengeheul angestimmt haben zum Zeichen: Das Mädchen ist tatsächlich tot. Unbeirrt geht Jesus in den Raum, in dem das Mädchen liegt, fasst es an der Hand und spricht ihr zu: Steh auf! – Und das Wunder geschieht: das Mädchen steht tatsächlich auf, geht herum und isst und trinkt wieder.

Ein Wunder, wie es größer nicht sein kann: Eine Tote ist wieder lebendig geworden. Jesus hat den Tod dieses Mädchens besiegt, so wie er selbst Ostern den Tod besiegt hat. Welch eine unaussprechliche Freude wird im Herzen des Vaters gewesen sein! Und die Jünger? Zur Heilung hat Jesus sie nicht gebraucht. Aber sie waren dabei, um davon Zeugnis zu geben. Nicht sofort, aber nach Jesu Tod, zu Pfingsten.

An diese und an andere Geschichten aus dem Neuen Testament haben meine Freundin und ihr Mann gedacht, als sie Gott um Heilung angefleht haben. Aber ihre Bitten wurden nicht erhört. Ihre Tochter ist gestorben. Trotzdem sind auch sie zu Zeugen geworden, Zeugen dafür, wie nahe Gott auch in schweren Stunden sein kann. Die vielen intensiven Stunden mit ihrer Tochter, auch die enge Verbundenheit durch die Gebete, sind für sie zu kostbaren Erinnerungen geworden. Ihre Erzählungen berühren mich, weil keine Furcht darin ist, aber ein unendlich tiefer Glaube, dass ihre Tochter jetzt bei Gott ist und es ihr gut geht.


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