/ Wort zum Tag

Gott ist und bleibt Gott

Jürgen Werth über Psalm 48,15

Bibelvers

Wahrlich, das ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist’s, der uns führet.

Psalm 48,15

Es ist die Stadt des Friedens. Und die Stadt der Kriege. Tatsächlich steht kaum eine andere Stadt seit Jahrtausenden immer wieder so sehr im Brennpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen wie sie: Jerusalem. Dabei ist sie die Heilige Stadt. Aber eben nicht nur für die einen, sondern immer auch für die anderen.

Ich hörte einmal einen Rabbiner schmunzeln: „Hier sind alle verrückt. Die Juden sind verrückt nach der Westmauer. Die Muslime sind verrückt nach dem Felsendom. Die Christen sind verrückt nach der Grabeskirche.“ Dann machte er eine kleine Pause. „Und Gott ist verrückt nach ihnen allen.“

Wobei freilich die Juden zuerst da waren, darüber lässt sich nicht diskutieren. Ihr König David hat Jerusalem um das Jahr 1000 vor Christus zur Hauptstadt der rivalisierenden Südstämme und Nordstämme gemacht. Zur Hauptstadt des vereinigten Israel. Und sein Sohn Salomo hat hier den ersten Tempel für den unsichtbaren Schöpfergott Jahwe errichten lassen. Seitdem ist Jerusalem das heilige Zentrum des Judentums. Bis heute. Auch wenn der Tempel seit dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung nicht mehr steht.

Wenige Jahrzehnte nach der Fertigstellung des Tempels ist wohl das Pilgerlied entstanden, aus dem die Losung für den heutigen Tag stammt:
Wahrlich, das ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist’s, der uns führet.

Das ist der letzte Vers eines eindrucksvollen Jerusalem-Psalms. Oft schon habe ich ihn selber vorgelesen, wenn ich mit einer Reisegruppe hinauf nach Jerusalem gezogen bin und die ersten Häuser der Stadt in Sicht gekommen waren. Freilich nicht zu Fuß wie die Pilger damals, sondern bequem im Reisebus.

Der Psalm besingt die Schönheit Jerusalems. Ihre Stärke, ihre Macht. Diese Macht aber ist nicht das Ergebnis einer klugen politischen Strategie. Sie ist begründet in der Macht Gottes. Schließlich hat er hier seinen Wohnsitz genommen, jubeln die Psalmsänger.

Eigenartig ist Gottes Geschichte mit dieser Stadt. Denn ausgerechnet hier ist Jesus hingerichtet worden. Hier ist er auferstanden. Jesus – von dem wir Christen bekennen: Er war, er ist der Sohn dieses großen allmächtigen Gottes, der in dieser Stadt wohnt. Der Sohn – und damit Gott selbst.

Die Menschen hatten kurzerhand umgedreht, was eigentlich gilt und was unser Psalm beschreibt. Nicht Gott hat Gericht gehalten über die Menschen, die sich von ihm abgewendet hatten. Die Menschen haben Gericht gehalten über Gott. Zum Tod verurteilt haben sie ihn. Und hingerichtet haben sie ihn auf demselben Berg, auf dem sie ihm einst einen Tempel gebaut hatten. Freilich ohne dass die meisten von ihnen davon auch nur einen blassen Schimmer hatten.

Ich sehe Jesus am Kreuz. Sterbend. Gilt das denn jetzt immer noch? „Wahrlich, das ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist’s, der uns führet“? Ja, es gilt umso mehr. Im sterbenden Jesus zeigt sich die Macht, die Größe Gottes auf unnachahmliche Weise. In seinem Tod nämlich versöhnt sich Gott mit der Welt, die ihm davongelaufen ist. Mit den Menschen, die ihn beiseitegeschoben haben. Mit uns. Mit mir. Der Apostel Paulus nennt das zutreffend das „Geheimnis des Glaubens.“

Er ist ganz oben. Der Schöpfer, der Allmächtige. Und er ist ganz unten. Der Gekreuzigte, der Ohnmächtige. Er ist der große Gott und der kleine Gott. Der ferne Gott und der nahe Gott. Er ist Macht, und er ist Liebe. Er erschafft, und er erlöst. Weil er verrückt ist nach uns. Er allein kann uns führen. Über die erhabenen Hügel unseres Lebens. Und durch die dunklen Todestäler. Sich Jesus anvertrauen – das ist nicht die schlechteste, sondern die beste Empfehlung.


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