/ Wort zum Tag

Bei denen auf gutes Land gesät ist: die hören das Wort und nehmen’s an und bringen Frucht.

Bibelvers

Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein.

Jesaja 55,10–11

Jesus sprach: Diese aber sind’s, bei denen auf gutes Land gesät ist: die hören das Wort und nehmen’s an und bringen Frucht.

Markus 4,20

Im Markusevangelium Kapitel 4 erzählt Jesus von einem Sämann, der seine Saat auf unterschiedlich gutem Boden ausbringt. Mit entsprechend unterschiedlichem Erfolg. Zur Erklärung sagt Jesus anschließend: Diese aber sind’s, bei denen auf gutes Land gesät ist: die hören das Wort und nehmens an und bringen Frucht.

Daraus ergibt sich die Frage: Findet Gottes Wort in Ihrem und in meinem Leben überhaupt fruchtbaren Boden? Gebe ich diesem Wort, gebe ich den Gedanken Gottes genügend Zeit, dass sie in meinem Lebens anwachsen und aufgehen können, wie eine Saat auf guter Erde? Und setze ich in meinem Leben auch um, was ich gelesen oder gehört habe, dass daraus Gutes entsteht, Hilfreiches auch für andere?

Ein eindrückliches Bild hat mich in den letzten Wochen begleitet. Eine Zeichnung von Florian Zwinge. Sie zeigt das runde Zifferblatt einer Uhr. Aber es gibt eine Lücke auf diesem Ziffernblatt wie ein geöffneter Mund. Die viertel Stunde, zwischen den Zahlen 8 und 11 Uhr, ist wie ein gefräßiges Maul mit messerscharfen Zähnen weit aufgerissen. Und eine menschliche Gestalt stemmt sich in diesem Maul gegen die zuschnappenden Kiefer des Ziffernblattes – mit nach oben ausgestreckten Armen. Aber der Uhrzeiger leckt schon gierig nach dem armen Menschen. Wie lange hält der Mensch durch, bis er von der Zeit verschlungen wird?

So fühlen sich viele, mitten unter uns, wenn sie an ihre dicht gedrängten Terminkalender denken oder einfach nur an das, was sie heute und morgen alles erledigen müssen. Es ist, als ob man verschlungen wird, von Wichtigem und weniger Wichtigem, als man das Steuer seines Lebens aus der Hand gegeben hat. Wie soll man da noch atmen und leben können, wenn jede Nische ausgefüllt wird oder verplant ist? Bleibt da nicht auch viel auf der Strecke? Auch das Nachdenken über das, was Gott von mir will oder mit meinem Leben sinnhaft bewegen möchte.

Zurück zum gefräßigen Zeitmesser. Auf der anderen, geschlossenen Hälfte des gezeichneten Ziffernblatts steht in fetten Buchstaben: „Besinne dich.“ Und gleich darunter der flapsige Spruch: „Geht morgen Nachmittag?“

Der Zeichner erinnert mich daran, dass es Dinge gibt, die man nicht wie irgendein Termin, irgendwo einplanen darf.

Kein Wunder, das sich inzwischen auch viele Ratgeber mit diesem Thema beschäftigen, die sonst wenig mit Bibel und Glaube anfangen können. Einer kam mir kürzlich in die Hände mit 365 kleinen Tipps, wie man sich in kürzester Zeit entspannt, besser, glücklicher und gesünder fühlt. Zum Beispiel mit zwei Minuten tief durchatmen…

Aber für mich als Christ geht es um mehr als um Besinnung. Ich glaube, der Zeichner der gefräßigen Uhr hat Recht. Zeit für Gott ist lebenswichtig. Die darf nicht achtlos zwischendurch geplant werden. Sonst geht mir die wesentliche Zeit verloren, sonst werde ich wirklich verschlungen.

Nicht morgen Nachmittag, jetzt muss sich etwas ändern. Besinnung darf doch nicht wie ein weiterer Termin zwischen vielen anderen werden. Es geht doch um die Ausrichtung des ganzen Lebens, um das Erfassen und tiefe Hören auf Gott und sein Wort.

Mir gelingt das immer noch am besten gleich am Morgen. Da plane ich gezielt etwas Zeit ein: Um den Tag zu durchzudenken, und vor allem für Gottes Wort und wenn es geht für ein Gebet gemeinsam mit meiner Frau. Für unsere Kinder, für das, was uns beschäftigt, für unsere Arbeit, aber auch für Menschen, die uns ans Herz gelegt wurden, weil sie krank sind, weil sie in Schwierigkeiten stecken.

Und oft mache ich die Erfahrung: diese Zeit schenkt mir dann während des Tages eine ganz andere Sicht und Gelassenheit , und manchmal öffnet sie mir sogar die Augen dafür, dass Gott längst am Werk ist. Das lässt mich einfach dankbar staunen über das, was aus dieser guten Saat wächst.

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