/ Wort zum Tag

Garantie ohne Garantie

Birgit Winterhoff über 2. Mose 33,19

Bibelvers

Der HERR spricht: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.

2. Mose 33,19

Der Herr spricht: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.

Mose redet mit Gott. Mehr noch: Er ringt mit Gott. Es ist ein leidenschaftliches Ringen, ein fast aggressives Kämpfen. Kann man so beten? Man kann! Mose ist verzweifelt. Er steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Aufbruch ist angesagt. Ein Aufbruch ins Ungewisse. Hinter ihm Wüste. Vor ihm Wüste. Und bei ihm ein ungehorsames, trotziges Volk. Mit diesen Leuten soll Mose weiterziehen. Weg vom Berg Sinai, weg vom Berg der Gebote, weg vom Ort der Nähe Gottes in eine ungewisse Zukunft.

In dieser Lage wendet sich Mose an Gott. Er bittet um Gottes Gegenwart, um seine Begleitung, um seinen Schutz.

Und wir? Können wir etwas anderes tun, wenn wir uns in ähnlichen Situationen befinden? Wir erleben Unsicherheiten - wirtschaftliche, finanzielle, politische z. B.. Keiner bewegt sich auf sicherem Grund. Keiner weiß, was morgen, in einem Monat oder in einem Jahr sein wird. Denn das einzig Beständige ist die Veränderung. Weil Menschen diese Unsicherheiten auf allen Ebenen fürchten suchen sie Halt und Geborgenheit, suchen nach einem festen Grund, der das Leben hält und trägt. Ob wir es nicht auch so versuchen sollten, wie Mose es getan hat? Er hat das Gespräch mit Gott gesucht. Hat ihm seine Zusagen und Verheißungen vorgehalten.

Es ist ein kühnes Gebet. Aber Gott lässt sich dieses Gebet gefallen. Er nimmt es an, er hört und er gibt Antwort. Ich habe den Eindruck, dass solche herzandringenden Gebete Gott lieber sind als die wohltemperierten, maßvollen und manchmal reichlich unterkühlten Mustergebete, die viele immer wieder aufsagen.

Vor Mose liegt unbekanntes Land. Und nun möchte er gern die Strecke auf der Landkarte abstecken. Möchte die weiteren Stationen einzeichnen und sehen, wohin der Weg führt. Darum bittet er: Zeig mir die Richtung.

Hier betet die Angst mit. Ich kenne das ebenso. Jeder Tag führt in unbekanntes Land. Jeder Tag stellt mich vor neue Aufgaben. Werde ich sie bewältigen oder werde ich scheitern? Wie soll ich mich entscheiden an den Kreuzungen meines Lebens? Nach rechts gehen oder nach links? Erneuern oder bewahren? Mutige Schritte nach vorne wagen oder behutsam auf der Stelle treten?

Gott gibt dem Mose eine merkwürdige Antwort. Er drückt ihm keine Landkarte mit eingezeichneter Route in die Hand oder ein iPhone mit Google maps. Aber er sagt: „Mein Angesicht soll vorangehen; ich will dich zur Ruhe leiten.“ Das ist Gottes Antwort. Eine Antwort, auf die man sich für die nächsten Schritte verlassen kann. Ich gehe mit. Ich bin dabei. Sagt Gott. Wir kennen Gottes Wege nicht - aber Christen kennen sein Herz. Und wer das Herz Gottes kennt, braucht keine weiteren Garantien.

Denn er weiß, dass dieses Herz den Menschen zugewandt ist. Er weiß, dass dieses Herz uns sieht und sucht auf allen unseren Wegen. Deshalb können wir getrost und zuversichtlich bleiben.

Der Herr spricht: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.

In Jesus Christus hat Gott sich auf unseren Menschenweg gemacht. Hat sich mit uns verbunden, seine Gnade und sein Erbarmen sichtbar gemacht. Der Weg Jesu Christi hat ihn ans Kreuz geführt, in den Tod hinein. Aber auch durch den Tod hindurch zu neuem Leben. An keinem anderen Ort wird so deutlich sichtbar, dass Gottes Gnade und Erbarmen gelten. Das Kreuz Christi steht als Zeichen der Versöhnung über dieser Welt.

Wenn wir um Gottes Erbarmen und Gnade wissen, brauchen wir die Einzelheiten unseres Lebensweges nicht zu kennen. Denn wir wissen ja, dass Gottes Herz uns zugewandt ist. In einem Kirchenlied heißt es treffend: „Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl, das macht die Seele still und friedevoll.“

„Du weißt“ - das genügt.


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