/ Wort zum Tag

Gott widersteht den Hochmütigen

Bibelvers

Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Beugt euch also demütig unter die starke Hand Gottes, damit er euch zu seiner Zeit erhöhe. All eure Sorge werft auf ihn.

1. Petrus 5,5–7

Dem berühmten amerikanischen Dirigenten und Komponisten Leonard Bernstein wurde am Schluss eines Interviews folgende Frage gestellt: „Welches Instrument wird im Symphonieorchester am wenigsten gern gespielt?“

Verschmitzt lächelnd und ohne zu zögern, antwortete der Meister: „Die zweite Geige. Jeder möchte furchtbar gern die erste Geige spielen, und es gibt nur wenige, welche die gleiche Begeisterung und das gleiche Interesse für die zweite Geige aufbringen. Alle streben nur nach der Stellung des ersten Geigers, und nur wenige verstehen, wie wichtig der zweite Geiger ist. Die besten Orchester der Welt sind die, welche gute zweite Geiger haben – denn alle Orchester haben ausgezeichnete erste Geiger. Ohne die zweite Geige gibt es keine Harmonie.“

Diese Aussage von Leonard Bernstein liegt quer zum Trend unserer Tage. Für viele von uns ist es enorm wichtig, sich selbst zu verwirklichen, sich gegenüber andern durchzusetzen und Karriere zu machen. Nur eine zweite Geige zu spielen, das ist ein „No-Go“! Begriffe wie Bescheidenheit, Anspruchslosigkeit und Demut klingen heute so, als stammten sie aus der Mottenkiste früherer Zeiten. Wer will denn schon eine graue Maus sein? Die zunehmende Ich-Zentriertheit in unserer Gesellschaft macht ein harmonisches Miteinander immer schwieriger. Denn wenn in einem Orchester alle die erste Geige spielen wollen, gibt es Missstimmung und Streit. Alle müssen dann darunter leiden. Daher ergibt es Sinn, genau auf das zu hören, was der Apostel Petrus uns zu bedenken gibt.

Er sagt: „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Beugt euch also demütig unter die starke Hand Gottes, damit er euch zu seiner Zeit erhöhe. All eure Sorge werft auf ihn.“ (1Petr 5,5-7). Vielleicht können wir das ja verstehen: Stolze, von sich selbst eingenommene und überhebliche Menschen kann Gott nicht segnen. Er stellt sich den Hochmütigen sogar in den Weg.

Doch was bedeutet es, ein demütiger Mensch zu sein? Nach Friedrich Nietzsche krümmt sich ein getretener Wurm, um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, von neuem getreten zu werden. Kriecherei und feige Unterwürfigkeit haben aber mit der neutestamentlichen Bedeutung von „Demut“ überhaupt nichts zu tun. Dort geht es um Bescheidenheit und Dienstbereitschaft. Demut bedeutet: Mut zum Dienen, ganz nach dem Vorbild von Jesus: Er wusch seinen Jüngern die Füsse und sagte dabei „Wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden.“ (Lk 14,11).

Bei meinem eigenen Schielen nach der ersten Geige beschämt mich Jesus Christus immer wieder. Er verzichtete nämlich in der Regel darauf, von andern bedient zu werden. Er war unter seinen Jüngern wie ein Diener und sagte: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29). Nachfolger Jesu, die wie ihr Herr nicht die erste Geige spielen wollen, werden also in den Augen von Jesus zum Segen für andere und kommen dabei in den Genuss eines wunderbaren göttlichen Geschenkes, denn es heisst: „Den Demütigen schenkt er seine Gnade.“

Was das bedeuten kann, hat der ehemalige Präsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse in einem Spiegel-Interview einmal so ausgedrückt: „Demut ist das Bewusstsein von der Erbarmungswürdigkeit des Menschen. Das Bewusstsein, dass man Fehler und Irrtümer begeht und darauf angewiesen ist, dass einem andere verzeihen und vergeben und man selbst dazu bereit ist. Eine tiefere Einsicht in die Fehlbarkeit der eigenen Person. Und das Gefühl der Dankbarkeit für das, was gelingt.“

Vielleicht ist es genau das, was wir aus Gottes Wort für den heutigen Tag mitnehmen sollten. Darum: „Beugt euch also demütig unter die starke Hand Gottes, damit er euch zu seiner Zeit erhöht“ (1Petr 5,6).

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