/ Wort zum Tag

Kommt, lasst uns anbeten

Roland Bunde über Psalm 95,6

Bibelvers

Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.

Psalm 95,6

Heute schon gejubelt? Psalm 95 lädt dazu ein, Gott anzubeten. Immer wieder heißt es: „Kommt, lasst uns“… „Kommt, lasst uns jauchzen und dem HERRN zujubeln“, „Kommt, lasst uns dankbar vor sein Angesicht treten“, „Kommt, lasst uns anbeten“, „Kommt, lasst uns neigen und niederknien“! Ich weiß nicht, wie es Ihnen heute geht - es gibt Tage, da ist mir nicht unbedingt nach Jubeln zumute. Doch unabhängig davon, wie es mir geht, ist da ein großer Gott, der über alle Höhen und Tiefen unseres Lebens erhaben ist.

Mein Leben steht in seiner Hand. Wenn man sich mit Psalm 95 beschäftigt, relativiert sich vieles. Sorgen verlieren an Größe. Gott ist größer, denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde und die Höhen der Berge begründet. Da ist einer, der alles überblickt – auch die ganz alltäglichen Dinge des Lebens. Das kann uns heute wieder neu bewusst werden.

Vermutlich gehört Psalm 95 zu den Liedern, die gerne bei der feierlichen Prozession des Tempeleinzugs gesungen wurden. Ein Hymnus für einen erhebenden Moment – nämlich den Moment, wo die Gläubigen durch das Tor in den Vorhof des Tempels eingezogen sind. Eine besondere Art  von Torsituation! Bevor ich also in den Tag gehe, kann ich michbewusst auf Gott ausrichten. Kann  dankbar zurückschauen und zugleich erwartungsvoll in die Zukunft gehen. Ein heiliger Moment in der Gegenwart Gottes – und der Tag bekommt eine neue Dimension.

Ich persönlich gehe dazu tatsächlich auf die Knie. Indem ich mich neige und niederknie, bete ich Gott an. Ohne Worte. Ich verneige mich vor einem, der größer ist, als ich es bin. Und das Erstaunliche ist: ich fühle mich keineswegs gedemütigt. Im Gegenteil, ich staune über diesen Gedanken, dass Gott mich gemacht hat. Dieser Gedanke macht etwas mit mir. Ich bin nicht dem Schicksal überlassen. Ich bin gewollt. Das überragt menschliches Verstehen, und es erfüllt mich große Freude und Dankbarkeit. Vorausgesetzt, ich öffne mein Herz und höre auf Gottes  Stimme (vgl. V.7f).

Was es bewirken kann, vor Gott niederzuknien und auf seine Stimme zu hören, habe ich eindrücklich in Taizé erlebt. Es ist faszinierend, welche Anziehungskraft seit Jahrzehnten von diesem kleinen Ort in Burgund ausgeht. Täglich feiern hunderte oder gar tausende junger Menschen zusammen mit den Mönchen der in Taizé ansässigen Kommunität Gottesdienste. Es wird viel gesungen. Eine Predigt gibt es nicht. Die Gläubigen lagern sich auf dem Boden. Wer Glück hat, kann ein Gebetsbänkchen nutzen, um darauf zu knien.

Was ich vor Augen habe, ist die Szenerie am Freitagabend, wenn das Taizé-Kreuz in die Mitte des Raums getragen und flach auf den Boden gelegt wird. Wer möchte, kann dort am Kreuz niederknien. Es hat mich zutiefst bewegt, die jungen Menschen zu sehen, wie sie um das Kreuz herum beten und sich mit der Stirn bis auf das Kreuz hinunterbeugen. Fast jedem, der an seinen Platz zurückging, standen Tränen in den Augen. Wie gesagt, es macht etwas mit mir, wenn ich den anbete, der mich gemacht hat – der mir seine Liebe in Jesus Christus erwiesen hat. Von daher kann ich nur empfehlen , wie in  Psalm 95,6 in den neuen Tag zu gehen – auch heute.


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