/ Wort zum Tag

Apostelgeschichte 17,28

In ihm leben, weben und sind wir.

Der Apostel Paulus war auf seiner zweiten Missionsreise in der kleinasiatischen Stadt Troas eines Nachts durch ein göttliches Zeichen klar nach Griechenland gesandt worden. „Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns“, hatte ein Mann in der Vision des Apostels gebeten. Paulus und seine Mitarbeiter hatten in dieser Bitte schnell mit großer Gewissheit einen neuen göttlichen Auftrag erkannt. Und so änderten sie ihre bisherigen Pläne und machten sich umgehend auf den Weg nach Griechenland.

Überall auf dem Wege besuchte der Apostel zunächst die Synagogen und richtete sich an die jeweiligen jüdischen Gemeinden vor Ort. Auch in Athen war das so. Doch schon bald wurden dort die herrschenden Philosophenschulen auf ihn und seine Botschaft aufmerksam und waren neugierig, was für eine neue Weltanschauung sie denn nun hier kennenlernen sollten. Und so laden sie Paulus zu einer Diskussionsrunde.

Im Verlaufe dieses Treffens nutzt der Apostel die Gelegenheit, seine Zuhörer behutsam auf ihnen bekannten Wegen zu seiner Botschaft hinzuführen. Diese Reise geht von einer allgemein anerkannten Schöpfergott-Idee, die wohl alle teilten, zur Verkündigung des persönlichen und wahren Gottes, auf den wir Menschen zutiefst bezogen sind, dazu bestimmt, eben diesen Gott zu suchen, denn „in ihm leben, weben und sind wir.“ So formuliert es der Apostel schließlich zugespitzt in unserem heutigen Bibelwort.

Und dann nimmt er Bezug auf den stoischen Dichterphilosophen Kleanthes aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert, der neben anderen sinngemäß von der Gottbezogenheit des Menschen gesprochen hatte. „Wir sind seines Geschlechts.“ hatten Kleanthes und andere in seinem Gefolge gesagt. Wir stammen von ihm, von Gott ab.

Natürlich hatten die Philosophen dabei ein ganz anderes Gottesbild vor Augen. Ihr Götterhimmel war riesig. Das Zitat, das Paulus benutzt, stammt ursprünglich aus einem berühmten Zeus-Hymnus. Doch der Apostel scheut sich nicht, hier weit draußen anzuknüpfen, um mit den Menschen um ihn herum ins Gespräch zu kommen. So kann er ihnen schließlich von dem Gott erzählen, der sich in der Geschichte Israels und der Sendung seines Sohnes deutlich geoffenbart hat.

Als Schöpfer kennt er die oft unwissentliche Sehnsucht des Menschen nach seinem Gott, und er hat die Tür weit aufgestoßen, durch die es wieder zur wahren Gemeinschaft zwischen Gott und dem Menschen kommen kann. Denn ja, wir gehören zusammen, Gott und seine Menschen, wir sind zur Gottebenbildlichkeit bestimmt und doch von Haus aus seit dem Sündenfall so unendlich weit weg!

Der Apostel macht deutlich: Diese Trennung kann überwunden werden. Wenige Sätze später sagt er in Apostelgeschichte 17 zu seinen Zuhörern: „Über die Zeit der Unwissenheit hat Gott hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden umkehren.“

Weil Gott der Schöpfer seine Menschen wieder bei sich haben will, lässt er sie zur Umkehr rufen – alle, an allen Orten und zu allen Zeiten.

Das ist die Botschaft der Apostel und seither auch der Christenheit an die Welt: Kehrt um! Um diesen Auftrag auszuführen, müssen Christen mit den Menschen ihrer Zeit im Gespräch bleiben und ihnen dort begegnen, wo sie sind. Das kann – wie bei Paulus damals – auch heißen, sich mit fremden Denkmodellen und Weltanschauungen auseinanderzusetzen, um dann auch mitreden zu können. Das ist ein Akt der Liebe zu den Menschen. 

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