/ Wort zum Tag

Markus 9,33–34

Bibelvers

Jesus fragte die Jünger: Was habt ihr auf dem Weg verhandelt? Sie aber schwiegen; denn sie hatten auf dem Weg miteinander verhandelt, wer der Größte sei.

Markus 9,33–34

Bereits Kleinkinder beginnen sich mit anderen zu messen: Ich hab einen höheren Klötzchen-Turm! Ich kann höher springen! Das Vergleichen, wer besser, schneller, größer, mächtiger, einflussreicher ist, scheint uns in die Wiege gelegt zu sein. Und es ist die Wurzel vieler  Übel, die Ursache von viel Leid, das Menschen einander zufügen, bis hin zu den Kriegen um Macht und Einfluss. Hört das denn die auf? Offenbar kann sich keiner davon lösen, so sehr er sich auch bemüht. Schon am Anfang der Bibel steht die Feststellung: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzen ist böse von Jugend auf.“ Das Christentum hat diese Einsicht in die Lehre von der Erbsünde gefasst. Deprimierend! Gibt es da keinen Ausweg?

Doch, genau darum hat Gott seinen Sohn Jesus auf die Welt geschickt. Er ist die Lösung. Er bringt die Erlösung. Durch seinen Tod am Kreuz, stellvertretend für die der Erbsünde ausgelieferte Menschheit. Wer sich durch Jesus von der Sünde lösen lässt, hat in seinem Verhalten neue Lösungen bereit. Beispielhaft zeigt Jesus das in einer entlarvenden Szene im Markus-Evangelium, Kapitel 9, Vers 33 und 34: Da fragt Jesus seine Jünger:  „‚Was habt ihr auf dem Weg verhandelt?‘ Sie aber schwiegen; denn sie hatten auf dem Weg miteinander verhandelt, wer der Größte sei.“

Peinlich! So wenig hatten die Begleiter von Jesus bis dahin gelernt? Sie stritten sich um die besten Plätze im künftigen Kabinett der Jesus-Regierung. Auch sie waren vom Vergleichsdenken und Machtstreben bestimmt. Entscheidend ist aber nun, dass Jesus nicht etwa sagt: Das ist eben so und wird sich auch nie ändern. Nein, er stellt ihnen ein alternatives Verhalten vor Augen und drückt damit aus: Es geht auch anders; ihr seid der Erbsünde nicht machtlos ausgeliefert; ich helfe euch zu einem neuen Leben. Denn es geht so weiter: „Jesus setzte sich und rief die Zwölf und sprach zu ihnen: ‚Wenn jemand der Erste sein will, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener.‘ Und er nahm ein Kind, stellte es mitten unter sie und herzte es und sprach zu ihnen: ‚Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.‘“

Das  ist eine herbe Enttäuschung für seine Freunde, die sich wohl schon die Ministerposten im künftigen Jesus-Reich ausgemalt hatten. Jesus sagt ihnen: Bei mir läuft das ganz anders. Hier gelten andere Maßstäbe: Dienen statt herrschen; Erste werden Letzte sein und umgekehrt; schwache und ausgelieferte Kinder sind das beste Beispiel für das, was ich meine.

Er stellt die normalen Verhältnisse auf den Kopf. Und  Jesus hat nicht nur geredet, sondern hat selber vorgemacht, wie das geht. Er hat seinen Jüngern die Füße gewaschen, was damals ein Sklavendienst war. Er bückt sich - nicht nur einmal - zu einem Kind hinunter und schenkt ihm seine ganze Aufmerksamkeit. Später schweigt er bei seinem Prozess, als ihn falsche Anklagen treffen. Er beugt sich in seinem Leiden unter die Schuld aller anderen, für die er eigentlich nicht verantwortlich ist. Er macht sich zum Opfer für alle, als er für sie am Kreuz stirbt – und für uns!

Unwillkürlich denke ich an den derzeitigen Papst Franziskus. Was  immer man von ihm  halten mag: Er fährt im kleinen Fiat statt in der gepanzerten Staatskarosse. Er besuchte die Bootsflüchtlinge vor den Präsidenten. Er segnet die Kinder und kritisiert den Machtmissbrauch der Wirtschaftsbosse. Wenn es der Beendigung von Krieg und Terror dient, redet er auch mit Atheisten oder Muslimen. Franziskus ist ein normaler Mensch und zeigt das auch bei jeder Gelegenheit. Aber sein Verhalten  spiegelt die Maßstäbe von Jesus wider: Dienen statt herrschen; Kleines wird groß und Großes wird klein.

Solche Zeichen braucht unsere Welt. Jesus hat damit angefangen. In seinem Namen können auch wir Zeichen setzen.

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