/ Wort zum Tag

Gedanken zur Tageslosung

Bibelvers

"Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt! "

Hiob 1,21

Die Todesnachricht erfuhr ich nicht vom Beerdigungsinstitut, sondern Gemeindeglieder riefen mich an: „Haben Sie schon gelesen?“ Nein, ich hatte es noch nicht gelesen. „Da ist ein Auto in einen Fluss gefahren. Vier junge Leute sind tot. Einige müssten Sie doch konfirmiert haben.“ Vier? Tot? Es war so. Auch dass ich drei von ihnen konfirmiert hatte – das eine Mädchen gerade erst vor einem Jahr. Was nun kam, war schwer zu ertragen. Für die Betroffenen und für mich. Warum war ich nicht im Urlaub? Im Ausland? Bloß jetzt nicht noch eine Hochzeit zwischen den Trauerfeiern! Die Gespräche mit den Eltern waren schmerzhaft, eins schrecklicher als das andere. Und dann die Beerdigungen! Die Trauerhalle war überfüllt. Die Leute mussten stehen. Schulklassen, Cliquen, Jugendheim, alles war komplett versammelt. Nur die ersten Reihen waren für die Angehörigen frei.
Nach der Trauerfeier in der Kapelle mussten wir den Weg zum Grab gehen. Eine Viertelstunde hin, eine Viertelstunde zurück. Dann gab es einen Augenblick Pause, bis der nächste Sarg in die Trauerhalle gebracht wurde. Dieselben Freunde, Klassen, Cliquen waren anwesend. Man stand an demselben Platz, nur der Sarg und die Angehörigen hatten gewechselt. Und dann gab es wieder den Gang bis zum Grab.
Die Trauerpredigt konnte ich in Fortsetzungen halten, der überwiegende Teil der Zuhörer war identisch. Ich hatte mir Verstärkung mitgebracht. Jugendliche und junge Mitarbeiter aus unserem Jugendkreis. Ich wollte nicht allein sein in diesem Abgrund von Verzweiflung. Da mussten welche dabei sein, die mit mir und für mich beteten.
Aber die Hiobsbotschaften waren noch nicht zu Ende. Nur wenige Wochen vor der Beerdigung hatten wir eine evangelistische Veranstaltung für Jugendliche. Da waren die vier jungen Leute da, die im Auto verunglückt waren. Sie hatten miteinander über Jesus gesprochen, über das ewige Leben, über das Sterben. Sie hatten nicht abgelehnt, aber sie hatten die Entscheidung aufgeschoben, denn sie meinten, sie hätten noch viel Zeit. Meinten sie. Des Teufels liebstes Möbelstück ist die lange Bank. Hätten sie gewusst, dass sie nur noch wenig Zeit hatten. Aber jetzt?
Hatte Jesus mit ihnen noch in der letzten Sekunde vor dem Ertrinken in dem Auto gesprochen? Haben sie noch ewiges Leben gewonnen? Ich weiß es nicht. Und dieses Nichtwissen lähmt und nimmt einem die Luft. Nichts ist da von Gewissheit, von Hoffnung, von Trost. Ein Abgrund, der einen schaudern lässt. Unsere jungen Leute aus der Gemeinde schlugen sich tapfer. Und dabei erlebten viele zum ersten Mal die gute Nachricht von Jesus, dem Auferstandenen.
Was für eine Hilfe, wenn Zeugen da sind, die helfen können. Dann, wenn einem alles genommen ist. Der Blick auf unseren Herrn hilft. Nicht der Blick auf das Elend.
Hiob, diese große Gestalt aus dem Alten Testament hatte das erlebt. All sein Reichtum weg, alle Kinder tot. Und das an einem einzigen Tag. Seine Antwort?
„Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen; der Name des Herrn sei gelobt!“ (Hiob 1,21) Hiob bleibt bei seinem Herrn. Und diese Haltung zieht sich durch die ganze Kirchengeschichte.
1869 sterben dem Friedrich von Bodelschwingh innerhalb von 14 Tagen alle vier Kinder. Sein Kommentar: „Ich habe erfahren, wie hart Gott sein kann, und darüber Barmherzigkeit gelernt.“ Und dann wiederholt er Hiob 1,21 „Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen; der Name des Herrn sei gelobt!“
 


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