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Psalm 60,4

Bibelvers

"Gott, der du die Erde erschüttert und zerrissen hast, heile ihre Risse; denn sie wankt. "

Psalm 60,4

Kürzlich hörte ich einen Radiobericht über ein kleines Dorf in China. Es ist durch eine tiefe Schlucht vom Rest der Welt getrennt. Bis vor Kurzem war eine wacklige Hängebrücke die einzige Verbindung zur Aussenwelt. Sobald sie bei heftigem Wind zu wanken begann, wurde die Überquerung gefährlich. Immer wieder stürzten Menschen hinunter in die Schlucht.

Das Beispiel zeigt: Wanken kann gefährlich werden. Wer wankt, findet entweder innert nützlicher Frist die Balance wieder – oder er stürzt zu Boden.

Solche Erfahrungen des „Wankens“ gibt es immer wieder. Nicht nur auf den Hängebrücken dieser Welt – und des eigenen Lebens. Die heutige Losung aus Psalm 60,4 spricht davon, dass die ganze Erde ins Wanken geraten kann. Sie sagt: „Gott, der Du die Erde erschüttert und zerrissen hast, heile ihre Risse, denn sie wankt.“

Das Wort „wanken“ beschäftigt mich. Oft wird es negativ gebraucht: Beim Wanken gerät etwas aus dem Gleichgewicht. Manchmal kann es aber auch nötig sein, dass ein Fels oder eine Haltung ins Wanken gerät. Hier kann das Fallen Raum für Neues schaffen.

So oder so kann wanken auch mit einer Entscheidung verbunden sein. Was wankt, kann auf die eine oder andere Seite kippen.

Die Losung spricht davon, dass die Erde selbst ins Wanken geraten sei, sie wurde in ihren Grundfesten erschüttert. Dahinter steckt Gott, – aber zuerst sind es Menschen, die sich nicht an Gottes Weisung orientiert haben. Sie reissen mit ihrem Verhalten Risse auf. Es dünkt mich, dass geschehe auch heute immer wieder. 

Wenn Menschen dieses Wanken spüren, besinnen sie sich im besten Fall wieder auf das Fundament, das sie tragen könnte. Was gibt uns einen festen, sicheren Boden im Leben?

Die Bibel gibt eine klare Antwort: Gott ist das Fundament der Welt – und unseres Lebens. Aber: Stimmt das wirklich? Schliesslich ist es im Psalm gerade Gott selbst, der die Erde – und damit auch die Menschen – ins Wanken bringt.

Manche schnelle oder fromme Antworten geben einen trügerischen Halt. Nur, wer die Fragen, die existentielles Wanken, mit sich bringt, aushält, nur, wer sich von diesem Vers heilsam ins Wanken bringen lässt, kann letztlich wieder Boden unter den Füssen gewinnen.

Gott verhindert dieses Wanken nicht von vornherein. Immer wieder erleben Menschen ein solches Wanken ganz persönlich. Sie könnten dann auch sagen: „Gott, der Du mein Leben erschüttert und zerrissen hast …“

Dabei bleibt Gott trotz allem ansprechbar. Sogar da, wo alles ins Wanken gerät. Das hat mit Glauben zu tun. Trotz und mit allen Zweifeln.

Wenn ich mitten im „Wanken“ Gott ansprechen kann, kann ich hoffentlich bald auch wieder den verheissungsvollen dritten Vers aus Psalm 62 beten: „Gott ist mein Fels und mein Heil, meine sichere Burg; ich werde nicht allzusehr wanken.“ (Ps. 62,3; Schlachterbibel)

Darauf will ich auf den Hängebrücken meines Lebens vertrauen.


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