/ Wort zum Tag

Gedanken zur Tageslosung

Bibelvers

Siehe, hier bin ich. Der HERR mach’s mit mir, wie es ihm wohlgefällt.

2. Samuel 15,26

Gehört es nicht zu schwersten Erfahrungen von Eltern, wenn Kinder ganz andere Wege gehen? Welche Hoffnungen, welche Erwartungen hatte man in sie gesetzt und dann? Plötzlich werden sie einem fremd. Harte Worte und Taten treiben tiefe Wunden in die Seele von Eltern. Noch bitterer aber ist es, wenn Kinder nicht nur den Eltern den Rücken kehren, sondern noch aktiv gegen sie arbeiten, sie verunglimpfen und gegen die eigenen Eltern prozessieren.

Was geht in einem Vater vor, wenn er spürt, dass sein eigener Sohn ihm die Ehre nimmt, ihn ausnutzt und ihn eigentlich lieber tot als lebendig sehen möchte? Alles Gute, das der Vater ihm hatte zukommen lassen, zählt nichts mehr. Nicht genug, dass der Vater erfahren muss, dass sein Sohn gegen seine Geschwister gewalttätig geworden ist. Nun wendet er sich offensichtlich auch an ihn, um ihn umzubringen. Was jetzt?

Der Mann, von dem ich ihnen erzähle, heißt David. Ja, ich meine den König David. Und sein Sohn heißt Absalom. Obwohl David Absalom die Stirn bieten könnte, will der Vater David es nicht auf einen Kampf ankommen lassen. Zu viele müssten ihr Leben dabei lassen. Und die Stadt Jerusalem würde zerstört werden. Das will David verhindern und flieht. Aber seine Flucht trägt wieder bemerkenswerte Kennzeichen.

In der Krise sieht er deutlich, wer seine eigentlichen Freunde sind. Auf der Flucht ist David treu umgeben von Menschen aus anderen Ländern und Stämmen. Philister haben sich schon seit Jahren zu ihm gestellt und lassen ihn jetzt in der Not nicht alleine. Viele Vertraute Davids sind ganz schnell gewechselt zu seinen Bedrängern. Auch das sind starke Schmerzen in der Seele, wenn Vertraute zu Fremden werden. Und David? Wie reagiert er? Wie handelt ein Mann nach dem Herzen Gottes?

Das Bibelwort, das uns heute begleitet, steht in dieser bewegenden Geschichte. „Siehe, hier bin ich. Der Herr mach’s mit mir, wie es ihm wohlgefällt“. Das sagt David zu Zadok, dem Priester, der mit den Leviten und der Bundeslade dem König gefolgt war. Sicher war dieser Beweis der Treue für David etwas Balsam in seiner verwundeten Seele und doch wusste er: Die Bundeslade – das Zeichen der Gegenwart Gottes – gehört nach Jerusalem. Er darf es nicht mitnehmen.

Auch Absalom soll wissen, dass ein lebendiger Gott regiert. Und deshalb schickt er den Priester und seine Leviten zurück. „Eurer Platz und der der Bundeslade ist in Jerusalem. Und wenn der Herr will, dann komme ich dahin auch wieder zurück. Macht er’s aber nicht, dann bin ich in Gottes Hand. Er mach’s, wie es ihm gefällt.“ Ist das blinde Ergebenheit, Resignation oder Feigheit? Muss die Ungerechtigkeit nicht ans Licht und bestraft werden? Ist nicht jetzt ums Recht kämpfen angesagt? David geht einen anderen Weg. Der Weg des Vertrauens, dass Gott handelt und nicht die Bosheit siegen wird. Und das ist der Königsweg.

Und jetzt sehe ich Eltern vor mir, die mit Tränen in den Augen berichten, wie viel Not sie durch ihre Kinder erfahren haben und wie ihre Hände wie gebunden sind. Und gemeinsam mit Ihnen überlege ich, was denn nun in ihrer Situation der Vertrauensweg sein könnte. Ob Davod den Psalm 62 in dieser Situation gedichtet und gesungen und gebetet hat? Den Psalm nachzubeten könnte Frieden in‘s aufgewühlte Herz bringen:

„Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele, denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde. Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott“. Daran will ich mich halten – in allem und trotz allem.


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