/ Wort zum Tag

Psalm 75,8

Bibelvers

"Gott ist Richter, der diesen erniedrigt und jenen erhöht."

Psalm 75,8

Geht es Ihnen auch so wie mir? Das Wort zum Tag ist wie ein Stachel und reizt mich zum Widerspruch. Es steht in Psalm 75, Vers 8 und hört sich so an: „Gott ist Richter, der diesen erniedrigt und jenen erhöht.“ Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Gott ist Richter und damit eine nicht hinterfragbare Instanz? Er soll das letzte Wort haben? Und der Satz geht ja noch weiter: „Gott ist Richter, der diesen erniedrigt und jenen erhöht.“ Das riecht ja förmlich nach Ungerechtigkeit und Willkür. Damit disqualifiziert er sich doch selber. Oder anders: Würfelt Gott etwa doch?  Ist er vielleicht sogar überfordert? Logisch wäre es ja. Wie will Gott wirklich ein gerechter Richter für Milliarden von Menschen sein? Die Fragen gehen weiter: Was qualifiziert ihn für diesen Job? Wer hat ihn dafür vorgeschlagen und ausgewählt? Keiner kann sich doch selbst als Richter einsetzen! Viele können damit nichts mehr anfangen: Wenn Christen und andere meinen, sie könnten nicht auf Gott verzichten, … bitte schön. Aber diese Vorstellungen widersprechen zutiefst dem gängigen Verständnis von Freiheit, vom Menschsein.
Und: Auch manche Christen tun sich schwer mit diesem Satz. Sie betonen sehr viel mehr den Gott der Liebe. Ein richtender Gott passt nicht in ihr christliches Denken. Nicht wenige Christen wehren sich gegen die Rede von einem göttlichen Gericht. Denn: Ein Gericht macht ja nur Sinn, wenn es auch eine Strafe verfügen kann. Und Strafe hat mit der Hölle zu tun, … und die wiederum passt nicht zu dem lieben Gott und auch nicht in unsere Zeit. Was machen wir dann mit diesem steilen Satz aus dem Gebet des Asaph?
Klar ist: Wir Christen können und dürfen niemanden zum Glauben zwingen, auch nicht zu einem Glauben an einen Gott als Richter. Die Aussage: Gott ist Richter, hat mit unserem Glauben zu tun. Es geht hier und heute um Antworten auf die Frage: Wer ist Gott für mich? Wie stehe ich zu ihm und seinem Wort? Und an der Stelle ist mir Gott als Richter gar nicht so unsympathisch. Denn ich glaube, dass Gott ein gerechteres Urteil über mein Leben sprechen wird, als das je menschliche Richter könnten. Und selbst wenn ich Schlimmes angestellt habe: Ich stehe damit nicht allein vor Gott. Sein Sohn Jesus Christus tritt für mich ein. Mancher mag das als fromme Selbsttäuschung bezeichnen. Für mich ist das kein Selbstbetrug. Ich glaube daran, dass Jesus mich verteidigen wird, dass er für mich eintritt. Ich glaube daran, dass Gottes Gerechtigkeit alle menschliche Gerechtigkeit bei weitem übertrifft. Ich glaube daran, dass ich bei ihm in guten Händen bin.
 

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