/ Wort zum Tag

Johannes 1,48

Bibelvers

"Nathanael spricht zu Jesus: Woher kennst du mich?"

Johannes 1,48

Aus der Fernsehwerbung für ein Medikament gegen Vergesslichkeit: Ein jüngerer Mann begrüßt einen älteren mit Namen. Der aber schaut ihn ratlos an und fragt verunsichert: „Kennen wir uns?“

Im Wort zum Tag fragt ein Mann Jesus: „Woher kennst du mich?“ Der Fragende, er heißt Nathanel, litt nicht etwa unter beginnender Demenz, sondern war nur total überrascht. Er konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, Jesus schon einmal begegnet zu sein.

Vielleicht sind auch Sie Jesus noch nie begegnet. Und er sollte Sie kennen – Sie, einen von 7,2 Milliarden Menschen dieser Welt? Das geht auch in meinen Kopf nicht rein.

Nathanael erhält zur Antwort: „Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.“ Jesus hatte ihn schon vor ihrer Begegnung im Auge.

Ich werde an eine Lebenskrise erinnert. Ich fuhr mit meiner Frau zu einem Gottesdienst, den ein Pfarrer hielt, den wir bis dahin nicht kannten. Schon nach wenigen Sätzen seiner Predigt fragte ich mich: „Woher kennt mich dieser Mann? Er predigt nur für mich!“ Der Mann kannte mich natürlich nicht – aber Jesus! Deshalb wühlte mich die Predigt innerlich auf und sprach mich ganz persönlich an.

Jesus hat das drauf! Von seinem Wort fühle ich mich immer wieder durchschaut, ertappt, betroffen und gemeint. Jesus kennt mich offensichtlich. Aber kenne ich mich denn selbst? Oft weiß ich es nicht.

Auch der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer fragte sich einmal: „Wer bin ich? Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer? Oder beides zugleich?“

Jesus kennt uns besser, als wir uns selber kennen! Weiß, wo es bei uns nicht stimmt. Weiß, was uns fehlt. Weiß, was wir brauchen.
Wie gut, dass Jesus bei Ihnen und mir den Durchblick hat! Unser Gestern genauso kennt wie unser Heute und unser Morgen. Gut deshalb, weil er Vergebung, Hilfe und Hoffnung für uns bereit hat – auch in allen Ungereimtheiten, Fragwürdigkeiten und Dunkelheiten unseres Lebens! 

Gott sei Dank, dass Jesus uns kennt, so wie wir wirklich sind. Gott sei Dank, dass er keinen von uns übersieht, sondern jeden von uns in Liebe ansieht. 

Jesus sieht, kennt und liebt Sie und mich, längst ehe wir ihm begegnen – und will uns begegnen. Wenn er uns dann anspricht, möchte er unser kleines Leben in seine große Hand nehmen und an ein großartiges Ziel bringen: in Gottes ewige, neue Welt.

Als Nathanael aufgeht, dass ihn Jesus kennt, sagt er: „Rabbi, du bist Gottes Sohn!“ Größeres kann ein Mensch nicht erkennen. Von Nathanael hören wir danach nichts mehr. Nur für diese eine kurze Szene taucht er im Neuen Testament auf – als Randfigur.

Was für Sie und mich heißt: Jesus sucht nicht nur Leute, die Geschichte machen. Auch Durchschnittsmenschen gilt seine große Liebe. An keinem von uns geht er vorüber. Auf jeden geht er zu. Auf jeden geht er ein.

Deshalb können auch Sie und ich mit Dietrich Bonhoeffer sagen: „Wer ich auch bin, du kennst mich, dein bin ich, o Gott!“

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