/ Wort zum Tag

Psalm 146,3

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

"Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen."

Psalm 146,3

Sind Sie eigentlich ein Mensch, auf den man sich verlassen kann? Stehen Sie zu Ihrem Wort? Ich möchte eigentlich so ein Mensch sein. Und doch passiert es mir immer wieder, dass auf mich kein Verlass ist. „Ich rufe dich nachher zurück“, verspreche ich. Und dann kommt dies und das dazwischen; macht jemand einen spontanen Besuch; erinnert mich die Spülmaschine daran, dass sie ausgeräumt werden will … Und wenn ich dann abends müde ins Bett falle, fällt mir wieder ein: „Oh, nein. Den Anruf habe ich ja ganz vergessen.“

Manchmal enttäusche nicht nur ich andere, sondern werde auch enttäuscht. Da geht es um eine wichtige Angelegenheit und jemand anders verspricht mir, mich zu unterstützen. Aber im entscheidenden Moment macht er den Rückzieher. Plötzlich stehe ich allein da. Enttäuschung gehört dazu, wenn man sich auf Menschen verlässt.

Der 146. Psalm fordert uns daher zu Recht auf: „Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.“

Oder anders ausgedrückt: Wer sich auf Menschen verlässt, der ist irgendwann verlassen. Denn Menschen können auf Dauer nicht helfen. Menschen sind einfach zu unbeständig. Sie ändern immer wieder ihre Meinung. Menschliche Gefühle können jederzeit kippen, aus Sympathie kann Antipathie werden, aus Liebe sogar Hass. Und selbst wenn man einen Menschen gefunden hat, auf den man sich wirklich verlassen kann, kann der trotzdem jederzeit ausfallen. Er kann unerwartet krank werden oder plötzlich sterben. Und schon ist es aus und vorbei mit den gemeinsamen Plänen.

Soll man sich also gar nicht mehr auf andere verlassen und alles selbst machen? Nein, das wäre falsch. Denn im Alltag sind wir Menschen aufeinander angewiesen: „Ich verlasse mich darauf, dass du die Kinder abholst.“ – „Ich verlasse mich darauf, dass du die Blumen gießt.“ Wer es nicht gelernt hat, anderen zu vertrauen, neigt dazu, alles selber zu machen. Und das macht auf Dauer unglücklich.

Bei der Aufforderung, sich nicht auf Menschen zu verlassen, geht es nicht um den Alltag, sondern um die großen Lebensfragen: Auf wen oder was baue ich mein Leben? Wo hole ich mir Rat? Von wem erwarte ich Hilfe? Wenn es Probleme mit einem Kollegen gibt, beschwere ich mich dann zuerst bei meinem Vorgesetzten oder schütte ich mein Herz bei Gott aus? Wenn ich mit den Kindern nicht mehr weiter weiß, lese ich zuerst Erziehungsratgeber oder bringe ich mein Kind vor Gott? Wenn ich mich verändern möchte, versuche ich, einflussreiche Leute kennen zu lernen, oder lege ich meinen weiteren Lebensweg vertrauensvoll in Gottes Hand? Beides schließt sich übrigens nicht aus: Türen öffnen sich unerwartet. Man lernt Menschen kennen, die einen weiterbringen, bekommt einen Termin in einer Beratungsstelle oder wird vom Vorgesetzten angesprochen. Der entscheidende Unterschied ist, welche Erwartungen ich habe. Wenn ich mich auf diese Menschen verlasse, dass sie mir helfen, dann mache ich sie zu kleinen Göttern. Nicht umsonst nennt man Ärzte manchmal die „Halbgötter in Weiß“. Doch wenn ich darauf vertraue, dass es Gott ist, der mir durch diese Menschen hilft, dann werde ich nicht enttäuscht. Denn: „Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN, seinen Gott!“ (Psalm 146, 5)


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