/ Wort zum Tag

Jesaja 59,1-2

Bibelvers

"Siehe, des Herrn Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht hart geworden, sodass er nicht hören könnte, sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott."

Jesaja 59,1-2

Im Christentum gibt es einen Unterschied, ich sag es mit alten Ausdrücken, zwischen „Christen-menschen“ und „christ-lichen Menschen“. Diese beiden Typen finden sich vielleicht  auch jetzt unter unsern Radiohörern: Menschen, die nur „christlich“ sind: Sie studieren die Bibel lediglich wie ein Weisheitsbuch. Und dann sind da die Anderen: Wenn sie Bibel lesen, begegnet ihnen die lebendige Person, die in der Bibel spricht.
Und falls Sie heute mal das 59. Jesaja-Kapitel lesen, könnten sie in ein Heißkalt-Bad der Gefühle geraten: Von Gott ist hier die Rede wie von einem Menschen. Man nennt dies Gottesbild  „anthropo-morph“: Gott begegnet als eine Person, die Arme hat zum Greifen und Ohren zum Hören. Er sieht, denkt und hat liebende Gefühle.
Und diesem personalen Gott stehen menschliche Personen gegenüber, die ihn verachten -  mit ihren Herzen, Händen, Füßen, Zungen und Lippen. Das Volk scheidet sich von seinem Gott - durch schwere Sünde. Und solche Sünden werden hier aufgezählt: Jesaja 59 ist für mich eins der erschreckendsten Kapitel des Alten Testaments: Ich lese: Eure Hände sind mit Blut bedeckt, eure Lippen sagen Falsches. Das Recht ist zurückgewichen, die Wahrheit ist dahin. Ihr Weg ist nur Verderben.
Dieses Kapitel wird aber zunächst dadurch erträglicher, dass zu Anfang steht: „Siehe, des Herrn Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht hart geworden, dass er nicht hört.“
Allerdings dürfen wir nicht den Schluss ziehen: Naja, es ist wie so oft in der Bibel: Gott erbarmt sich eben immer und immer wieder. Nein, hier geht der Satz anklagend so weiter: Aber eure Übertretungen scheiden euch und euren Gott voneinander, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, sodass ihr nicht gehört werdet.
Dieses Losungswort für heute ist eigentlich zum Verzweifeln. Denn ich kann mich nicht selbst grundlegend bessern. Es wäre zum Verzweifeln, wenn sich da nicht gegen Ende des Kapitels ein wunderbares Fenster vom Himmel her öffnete:  Ein Erlöser erscheint, wörtlich: Für die in Zion wird ein Erlöser kommen, für die, die sich von den Sünden bekehren, spricht der Herr.
Und nun der Unterschied: Darauf kommt es in meiner verzweifelten Lage an: Ein „christ-licher“ Mensch bemüht sich, aus eigener Kraft aus dem Sumpf der Sünde herauszukommen. Ein „Christ“ aber hat die entscheidende Begegnung: Er wirft sich in die Arme seines Vaters, wie der verlorene Sohn im Gleichnis. Denn, wie es in unsrem Ausgangsvers heißt, der Arm Gottes ist nicht zu kurz, um zu helfen. Und dieser ausgestreckte Arm, das ist der Erlöser, den Gott bereits geschickt hat: Am Kreuz Jesu sind die heilenden Arme des Vaters zu uns ausgestreckt.
Martin Luther sieht im Geist das göttliche Gericht und bekennt: Mir ist wegen angeborener Bosheit bisher unmöglich gewesen, den Anforderungen Gottes zu genügen. Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir um Christi willen dies täglich beweinte Zurückbleiben vergeben hat, so muss ich verzweifeln. Aber das lass ich bleiben! Wie Judas an den Baum mich hängen, das tu ich nicht – ich häng mich an den Hals oder Fuß Christi, wie die Sünderin, ob ich auch noch schlechter bin wie diese. Ich halte meinen Herrn fest.  Dann spricht Jesus zum Vater: “Dies Anhängsel muss auch durch.
Er hat zwar nichts gehalten und alle deine Gebote übertreten. Aber er hängt sich an mich. Vater, was willst, ich starb auch für ihn. Lass ihn durchschlüpfen!“ Das soll mein Glaube sein!!!
Der Heilige Geist darf in der Pfingstwoche diesen Glauben auch in uns entzünden. Zumal Gott am Ende unsres Kapitels verspricht: Mein Geist soll nicht von dir weichen, von nun an bis in Ewigkeit.
 

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