/ Wort zum Tag

Matthäus 7,8

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

„Ruf doch mal an!” Unübersehbar war diese Aufforderung quer über die ganze Seitenwand
eines Kleinbusses geschrieben, der oft an unserer früheren Wohnung vorbeifuhr.
Ruf doch mal an! Das entsprechende Unternehmen versteht es mit diesem freundlichen Hinweis Werbung für sich zu machen. Sie wollen mich ermuntern, noch öfter zum Telefonhörer zu greifen, als ich es ohnehin schon tue.
Und trotzdem: Ruf doch mal an. Recht haben sie mit dieser Einladung. Wer anruft, nimmt
Kontakt mit andern auf, bleibt nicht allein.
Wie wichtig das ist, erleben wir immer wieder in unserem Seniorenkreis in der Gemeinde.
Bei jedem wöchentlichen Treffen gibt es regelmäßig einen ganz wichtigen Programmpunkt.
,,Grüße” heißt der. „Wer hat Grüße auszurichten?” wird gefragt. Und dann gibt es jedes Mal
einige Grüße, die etwa so klingen: ,,Ich habe heute bei Frau Sowieso angerufen, ihr geht es
im Moment nicht besonders gut. Aber sie lässt ganz herzlich grüßen und wünscht uns einen
schönen Nachmittag.” ,,Mich hat Herr Jemand angerufen und mir gesagt, dass er heute leider nicht kommen kann. Er muss eine dringende Besorgung machen. Ich soll von ihm grüßen.”
Und alle Zuhörenden spüren: Wie gut, wenn ich einen anrufen kann, um ihn zu informieren,
oder wenn ich Rat oder Hilfe brauche. Wie gut, wenn ich angerufen werde und merke:
Du bist nicht allein. Die anderen haben dich nicht vergessen.
Ruf doch mal an! Wie schön, dass es diese Möglichkeit gibt, den Hörer vom Telefon
abzunehmen, zu wählen und den Menschen ganz nahe zu hören und ihm ganz nahe zu sein, auch wenn er vielleicht viele hundert Kilometer entfernt am andern Ende der Leitung den Hörer abgenommen hat.
Das ist nicht nur im Verhältnis zu unseren Mitmenschen so. Anrufen stellt auch die Verbindung zu Gott her. „In der Angst rief ich den Herrn an; und der Herr erhörte mich und tröstete mich,” heißt es  im Psalm 118.
Was heißt das? Unsere Kinder spielten früher manchmal ein Spiel, das mit der Frage begann: ,,Wenn ich zaubern könnte...!?” Und dann malten sie sich aus, welche ungeahnten Möglichkeiten das Leben dann böte. Dann würden die Schularbeiten von alleine fertig, dann stünden ihnen alle großen und kleinen Schätze der Welt zur Verfügung, dann könnten sie allen Schwierigkeiten entfliehen, Eltern und Lehrer würden alle kindlichen Wünsche erfüllen. Das wäre herrlich, wenn man zaubern könnte...
Ich habe den Eindruck, dass manche Leute dieses „der Herr erhört” wie eine kindliche Zauberformel gebrauchen, die sie überall dort anwenden, wo sie in Schwierigkeiten oder in
unangenehmen Situationen stecken. Sie meinen, sie könnten über Gott verfügen und ihn sich mit ihrer Formel dienstbar machen für ihre Pläne, Ziele und Wünsche.
Doch so beten heißt, das Gebet zu Gott missverstehen; heißt auch, nichts von der Hilfe
erfahren, die im Psalm 118 verheißen wird. Jörg Zink hat einmal geschrieben:
,,Beten ist nichts für Redegewandte, sondern für Hörfähige.” Beten heißt also zunächst hören auf den, der  durch Jesus Christus mein himmlischer Vater geworden ist und der meine tiefsten Nöte, Bedürfnisse und Ängste besser kennt als ich.
Darum weiß Gott auch eher als der Beter selbst, wo die wirkliche Not des Beters liegt.
Das ist gut zu wissen. Auch heute.
 


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